King-Kong, der Harmlose

Gorillas wurde Übles angedichtet. Brutalität. Rauflust. Mordgier. Nichts davon ist wahr. Gorillas sind die friedlichsten Bürger des Urwalds. Nur ihre Freundschaft kann gefährlich werden.

Gorilla
Gorilla

King-Kong, das Ungeheuer aus dem Urwald, sieht aus wie ein Gorilla. Denn der ist seit Jahrhunderten als Menschentöter verschrien. Ein Gorilla-Jäger war immer ein großer Mann, und die weißen Großwildjäger haben stets kräftig mitgeholfen, den Gorilla zu verteufeln. Denn je schrecklicher ein Untier ist, um so höher ist der Jäger zu preisen, der es endlich zur Strecke bringt.

Umgekehrt versuchten amerikanische Zeitungsreporter, den ersten Gorilla, der um 1900 auf ihren Kontinent gebracht wurde (und zwar in das damals amerikanische Havanna), wie einen Menschen zu interviewen, weil dieser junge Gorilla wie ein Menschenkind angezogen war. Die Unwissenheit über diesen Menschenaffen war bis vor einiger Zeit fast vollständig, obwohl schon im 19. Jahrhundert manchmal Gorillas in europäische Tier-Menagerien gekommen waren. Bereits Charles Darwin hat im Londoner Zoo Schimpansen, Gorillas und Orangs kennengelernt und durch einen Affenwärter für sich beobachten lassen. Das Ergebnis polierte das Ansehen des Gorillas allerdings nicht auf. Diese mächtigen schwarzen Burschen mit den gewaltigen Kräften flößten auch den mit ihnen vertrauten Wärtern, die ihnen täglich Futter durchs Gitter zuwarfen, nur Angst ein.

Erst ausgiebige Freiland-Beobachtungen und viele Erfahrungen mit Gorillas, die von kundigen Zoologen aufgezogen wurden, malten ein besseres Bild vom Gorilla. Alles über ihn wissen wir aber bestimmt noch lange nicht. Immerhin: Ein Gorilla-Kenner wie Bernhard Grzimek konnte es sich sogar erlauben, einem wütenden Gorilla-Boß im Wald gegenüberzutreten. Grzimek ist das unfreiwillig passiert, als er den Kahuzi-Biega-Nationalpark in Zaire zum Filmen besuchte. Weil diese Nationalpark-Gorillas schon einigermaßen an dürre, schnatternde menschliche Zweibeiner im Revier gewöhnt sind, hoffte Grzimek auf besonders gute Bilder des Gorilla-Bosses "Kasimir", des Anführers einer 18köpfigen Familie.