Typische Verhaltensweisen

Gorillas hängen in vielen Dingen von dem ab, was sie lernen können. So behandelt fast jede Gorilla-Mutter ihr Kind etwas anders.

Beim Essen ist's ebenso: Was der einen Familie schmeckt, das rührt eine andere nicht an. Pflanzen, die in jenem Tal mit Wonne von den Gorillas gegessen werden, können schon im Nachbartal unbeachtet bleiben. Ebenso steht es mit vielen anderen Gewohnheiten. Vor allem die Launen und Vorlieben der Familienoberhäupter beeinflussen die Verhaltensweisen der Familien, die sich auch im Tagesablauf völlig nach dem Boß richten. Sie ziehen zum Beispiel sofort weiter, wenn der Hordenchef aufbricht. Ebenso folgen die Kinder dem mütterlichen Vorbild und Einfluß. Schaller hat einmal gesehen, wie eine Mutter ihrem Kind ein offenbar ungenießbares Blatt vom Mäulchen wegzog und wegwarf.

Gorilla
Gorilla

Dagegen sind typische Verhaltensweisen, wie der abendliche Nestbau der jüngeren und leichteren Tiere über dem Boden, genetisch so eingeschliffen, daß auch gefangene Tiere, sofern sie das Material dazu haben, ihre Nester auf dieselbe Art und Weise aus Zweigen zusammenziehen. Das ist aber auch der einzige Gebrauch von fremden Materialien, die man beim Gorilla kennt. Vom Stockgebrauch der Schimpansen, die damit beispielsweise Bananen heranholen, sind die Gorillas weit entfernt.

Dabei fehlt es ihnen keineswegs an Beobachtungskraft, Nachahmungsfähigkeit und Assoziationsvermögen. Dies zeigt ein Erlebnis mit Goma, einem in Basel in der Familie des Zoodirektors Lang aufgezogenen Gorilla-Weibchen. Mit anderthalb Jahren konnte Goma in ihrem Zimmer bereits den Lichtschalter bedienen. Als einmal ein Film-Scheinwerfer in ihrem Zimmer aufgebaut und probeweise eingeschaltet wurde, hopste das Tier sofort zum Lichtschalter, knipste und blickte dabei auf den Scheinwerfer - sichtlich in der Erwartung, daß auch dieses Licht nun ausgehen würde. Ihre Mutter Achilla hatte sich als junges Tier immer Spielgefährten geangelt, indem sie die Hilflose spielte: Sie steckte einen Arm durch das Gitter und bekam ihn scheinbar - nicht mehr zurück. Die Zoowärter kannten den Trick bald, doch eine nicht eingeweihte junge Hilfswärterin fiel darauf herein. Sie mußte einmal eine ganze Nacht mit dem Gorilla verbringen. Denn das Tier hatte sofort seinen Arm zurückgezogen, als das hilfsbereite Mädchen in den Käfig kam, und die Wärterin voller Freude umarmt. Aus dieser Umschlingung kam das Mädchen die ganze Nacht nicht mehr los.