Orang-Utans sind zumeist Einzelgänger

Über die Speisekarte des Orangs ist weit weniger bekannt; man weiß nur sicher, daß diese Affen in fast jeder Stellung futtern.

Wenn es sein muß, naschen sie die Bissen, kopfunter an einem Ast hängend, direkt mit dem Mund vom Baum weg. Was man auch im Zoo beobachten kann, ist die Orang-Sitte, das Essen auf die Unterlippe zu schieben. Die Tiere wölben dazu die Lippe vor und schielen von oben her auf den Nahrungsbrei. Wozu das gut sein soll, weiß niemand zu sagen.

Orang-Utan

John MacKinnon, ein britischer Zoologe, ist fast selbst zum einzelgängerischen Nomaden geworden, als er in Nordborneo hinter den Orangs her war. "Ich zog weiter, wenn meine Orangs weiterzogen, ich aß, wenn sie aßen, und schlief, wenn sie schliefen", erzählt er. MacKinnon hatte sich auf dem Dschungelboden ein Menschen-Revier gebaut mit Wegen, Schlafplätzen und  Beobachtungspunkten. Von diesen Schlupfwinkeln aus suchte er nach den Revieren der Orangs über sich in den Bäumen. Dabei stellte er fest, daß Orangs in winzigen Familiengruppen leben. Eine Mutter mit einem Säugling und einem etwas älteren Kind ist der Normalfall einer "Gruppe". Die Männer kommen oft nur stundenweise zu den brunftigen Weibchen,sonst bleiben sie allein. Selbst die Halbwüchsigen turnen meist nur zu zweit durchs Gelände. Orangs sind also Einzelgänger. Auch das unterscheidet sie sehr vom Gorilla und von den Schimpansen.

Wie friedlich die mächtigen Männchen mit ihren riesigen Kehlsäcken und Backenwülsten miteinander verkehren, ist noch nicht ganz geklärt. Diese Burschen sind mit ihren mehr als drei Zentnern Gewicht doppelt so schwer wie die Weibchen. Oft kommen sie mit sichtbaren Kampfnarben in Gefangenschaft. Doch noch niemand hat Orang-Männchen ernsthaft miteinander kämpfen sehen. Im Gegenteil, MacKinnon hat beobachtet, wie sich die Helden zwar an den Grenzen ihrer Reviere mit Brüllsalven überfallen, doch zugleich hüten sie sich sehr, einander zu begegnen. Und wenn noch imposantere Männchen auftauchen, dann verziehen sich die anderen still und heimlich. Zornige Drohgebärden und wildes Ästeschütteln sind die äußersten Aggressionszeichen, die bisher in Freiheit gesehen worden sind. Aus den Tiergärten sind auch nur ganz kurze Raufereien bekannt. Allerdings passen die Zoo-Zoologen auch auf, daß ihre kostbaren Orang-Männchen, die überall den höchsten Schauwert haben, gar nicht in die Verlegenheit kommen, sich bekämpfen zu müssen. Im Zoo könnte der Unterlegene ja nicht davonlaufen und deshalb beim Rangkampf aus Versehen umkommen.