Erst die Wut macht sie schön

Sie kämpfen um ihr Leben. Denn ohne Streit gehen sie ein. Sie brauchen die Kampfeswut nicht nur, um mit der ganzen Pracht ihrer roten oder blauen Farbtöne zu leuchten. Die Gallengymnastik erhält sie auch jung.

Kampffisch

Der Kampffisch hat seinen Namen nicht von ungefähr. Den Siamesen war schon an der Wildform dieses Fisches aufgefallen, daß das Männchen ungeheuer streitlustig ist. Kaum sieht es einen Art- und Geschlechtsgenossen, so stürzt es sich auf ihn, und beide beginnen zu kämpfen. Die Siamesen fingen schon vor Jahrhunderten die kleinen, blauen Streiter und veranstalteten mit ihnen Schaukämpfe, bei denen hohe Wetten auf die Sieger abgeschlossen wurden. Bald züchteten sie die Fische dann auch in kleinen Gefäßen.

Ist das nicht Tierquälerei - die kleinen Gläser und die permanente Aufregung Muß da nicht der Tierschutzverein eingreifen?

Nein. In diesem Fall nicht. Bevor man menschliche Empfindungen auf Tier überträgt, ist es wichtig, die natürliche Verhaltensweise und die Lebensbedingungen dieser Tiere zu überprüfen.

Kampffische sind von Natur extremen Bedingungen der Temperatur und der Wasserqualität angepaßt. Sie wurden von Forschern lebend in Büffelstapfen angetroffen, die nur noch mit flüssigem Schlamm gefüllt waren. In den besonnten Reisfeldern ihrer Heimat schwankt die Wassertemperatur zwischen Tag und Nacht oft bis zu zehn Grad. Seine größte Aktivität entfaltet der Kampffisch allerdings bei 30° bis 32° C. Im kühlen Wasser hängt er fast unbeweglich zwischen den Wasserpflanzen. Sogar seine Farben verblassen. Nur zum Atmen schwimmt er zuweilen an die Wasseroberfläche.