Zu Zier und Zucht

Die einen bewundert man im Aquarium, die anderen schätzt man in der Pfanne: Karpfenfische sind vielseitig. Und der bei uns so beliebte Silvesterkarpfen ist nur eine von vielen Arten.

Zeilenkarpfen
Oben ein Zeilenkarpfen: Man kann ihn essen, aber auch der Schönheit wegen im Aquarium halten. Die Familie der Cypriniden, der Karpfenfische, stellt viele der bekanntesten Aquarienfische. Die meisten kommen aus Indien und dem fernen Osten, einige aus Afrika. Meist sind es Süßwasserfische. Der Feuerschwanz (schwarz mit knallroter Schwanzflosse), der Haifischfransenlipper (schwarz mit hellrotem Fleck auf jeder Schuppe), der Harlekinfisch und viele andere sind Verwandte unseres guten, alten Speisekarpfens.
Karpfen

Im Karpfenteich meines Großonkels, der Probst zu Heiligelinde in Ostpreußen war, gab es ein betagtes Karpfenexemplar, das auf Klopfzeichen am Bootssteg so schnell heranschwamm, dass man schon von weitem die Bugwelle sah. Der Fisch ließ sich von uns Kindern mit zerkautem Brot füttern und dabei über den Rücken streicheln. Wir behaupteten immer, dann verzöge ein Grinsen das glotzäugige Gesicht.

Der Mensch hat den Karpfen so domestiziert, dass er zum Haustier geworden ist. Er reagiert auf akustische Zeichen, eilt herbei und sperrt gefräßig das Maul auf. Erst kürzlich sah ich Photos von Karpfen, die man daran gewöhnt hatte, ihre Flüssignahrung unter Wasser mittels Babyflasche und Schnuller zu sich zu nehmen.

Echte Wildkarpfen bekommt man selten zu Gesicht; sie leben fast nur noch in den Seen und Flüssen Südosteuropas. Einmal sahen wir einen stattlichen Burschen, den ein Fischer aus der Einmündung der Bodrog in die Theiß herausgeholt hatte. Er war etwa 70 Zentimeter lang. Karpfen werden selten länger als einen halben Meter, doch hat man schon solche von anderthalb Meter und 35 Kilo Gewicht gefangen. Derartige Schwergewichte haben einige Jahrzehnte auf dem Buckel und sind kaum noch für die Suppe zu gebrauchen. Nur wenige Karpfen werden wirklich alt - angeblich bis zu 200 Jahren, doch ist das sehr zweifelhaft.

Karpfen wirken in ihren Bewegungen recht träge, können aber die Geschwindigkeit von 12 km/h erreichen. Damit gehören sie zu den schwerfängigen Fischen und sind der Stolz der Sportfischer. Flusskarpfen lieben ruhiges, tiefes Gewässer, möglichst mit schlammigem Boden. Mit ihren Barteln tasten sie den Grund ab, saugen mit rüsselartig vorgestülptem Maul alles Genießbare - Insektenlarven, Würmer, Schnecken, Krebschen - auf und weiden an den Wasserpflanzen. Sie sind Allesfresser, sozusagen die Schweine unter den Fischen. Fischlaich und -brut interessiert sie im allgemeinen nicht, nur den Zuchtkarpfen sagt man das Gegenteil nach; vielleicht ist es eine Mangelerscheinung bei unzureichender Zufuhr von tierischem Eiweiß.

Zur Laichzeit folgen einige eifersüchtige Männchen ihrer Auserwählten flussauf zu den seichten, dichtbewachsenen Laichplätzen. Die Männchen haben sich aus diesem Anlass ins Hochzeitskleid geworfen: auf Scheitel, Brustflossen und Kiemendeckeln prangen weißliche Wärzchen. In kalten Sommern verzichten die Karpfen auf Paarung und Nachwuchs; sonst erfolgt das Ablaichen zwischen Mai und August. Flusskarpfenweibchen produzieren dabei bis zu 750 000 Eier. Das Zuchtkarpfenweibchen übertrumpft sie noch und bringt es auf 1,5 Millionen.