Drei Rätselfragen zum Thema Lachs

Es ist aber auch so ziemlich das einzig Logische an diesem erstaunlichen Tier. Lachse schwimmen in jeder Beziehung gegen den Strom.

Seit der Steinzeit gehört dieser Fisch zur menschlichen Nahrung (man weiß es aus Felszeichnungen) - und doch weiß man erstaunlich wenig von ihm. Als erklärter Freund des Lachses (sowohl in seinen Gewässern als auch in der Pfanne) habe ich auf ein halbes Dutzend Fragen, die mit dem Leben dieses Fisches zusammenhängen, in zwei Jahrzehnten keine eindeutige, schlüssige Antwort gefunden.

Lachs
Pazifische Lachs-Männchen bei den Laichgründen in Alaska
Lachs

Frage Nummer eins: Warum schwimmt der Lachs rückwärts? Gewiss, er tut das nur in seinen ersten Lebensabschnitten, wenn er sich von den Laichgründen stromabwärts dem Meer entgegentreiben lässt. In diesem Stadium sind die Lachse nicht größer als Heringe. Sie fallen keinem auf; deshalb notiert man diese erstaunliche Schwimmhaltung kaum. Tatsache aber ist: Sie schwimmen mit dem Schwanz voran dem Meere zu.

Frage Nummer zwei: Wo bleibt der Fisch im Meer? Die Lachse unserer Gewässer verschwinden, sobald sie die Flussmündungen verlassen haben, auf Nimmerwiedersehen. Im nördlichen Teil des Stillen Ozeans hat man einige Lachsgründe ausgekundschaftet; man weiß, dass die Tiere pausenlos unterwegs sind. Aber im Atlantik hat man nur zwei nordwärts gerichtete Zugströmungen festgestellt. Der Zoologe George Rees stellte die kühne Theorie auf, die Lachse würden sich unterm arktischen Eis versammeln. Dort ist das Nahrungsangebot größer als in jedem anderen Teil der Ozeane (das hängt mit dem Mineralreichtum dieser eisigen Gewässer zusammen). Immerhin würde diese Theorie erklären, warum die Fische in einem Jahr von Heringsgröße auf das hundertfache Gewicht heranwachsen. Solange kein Wissenschaftler fundiert widerspricht, mag diese Theorie so gut sein wie jede andere.

Frage Nummer drei: Wie findet der Lachs seine Laichplätze wieder? Erstaunlich ist, dass die Fische nicht irgendwelche Flüsse hinaufschwimmen, sondern - wie Zählungen mit markierten Tieren ergeben haben - mit absoluter Sicherheit ihr Heimatrevier wiederfinden. Die Entfernungen von einigen zehntausend Kilometern, die da zielsicher überbrückt werden müssen, scheinen ihnen nichts auszumachen. Auch hier werden einige Theorien angeboten. Erstens, dass die Lachse zur groben Orientierung die Sonne oder die Sterne heranziehen, wie man das von Vögeln oder Insekten ja auch behauptet. Zweitens, dass sie zum Auffinden ihres Heimatflusses den Geruchsinn einschalten; jeder Fluss riecht anders.

Mit der feinen Nase mag es seine Richtigkeit haben. Der Zoologe Dr. Arthur Hasler hat Lachsen die Nasenlöcher mit Baumwolle verstopft: Aus war es mit der Orientierung. Diese Theorie könnte eine Erklärung dafür abgeben, dass auch in verhältnismäßig schwach verunreinigten Flüssen bald keine Lachse mehr zu finden sind: Schon geringe Mengen von Fremdstoffen betrügen die Lachsnase und verwehren dem Fisch den Vorstoß zu den angestammten Laichplätzen. Was die astronomische Navigation betrifft, so gibt es inzwischen eine Hypothese, die von einem Computer ausgerechnet wurde. Danach schwimmen die Lachse zwar, nachdem sie sich mehrere Monate oder Jahre im Meer getummelt haben, in einer gewissen Generalrichtung auf ihre alte Heimat zu - der Rest aber ist Zufall. Sie suchen einfach so lange, bis sie einen Fluss entdecken, der Heimatgeruch ausströmt. Wenn sie ihn nach etwa 175 Tagen nicht gefunden haben (die Zahl mag schwanken: sie stammt vom Computer), geben sie auf und bleiben fortan kinderlos.