Flug durchs Wasser

Der unkonventionelle Schwimmstil ist nur eine der Besonderheiten dieser Fische.

Rochen
Rochen

Fragen Sie mal herum, wer schon einen Rochen gesehen hat! Sie werden nicht viele Leute finden. Dabei sind diese Fische nicht gerade selten. Wer taucht, kann sie an fast jeder Küste entdecken, wo das Meer relativ flach ist.

Vor allem die Glattrochen (Raja batis) und die Nagelrochen (Raja clavata) findet man schier überall, auch in der Nordsee. Allerdings muß man den Blick dafür haben, denn diese flachen, zum Teil wie Bratpfannen geformten Burschen sind Meister der Tarnung. Sie leben am Meeresgrund und legen keinen Wert darauf, daß sie entdeckt werden. Unauffällig bewegen sie sich über den Boden und weiden ihn ab wie eine Kuh die Wiese. Nur, daß sie es nicht auf Pflanzen abgesehen haben, sondern auf Lebewesen: auf Muscheln, Schnecken, Krabben und Fischchen. Man kann es angeblich hören, wenn sie fressend dahinziehen (ich allerdings habe es noch nie gehört). Es soll knacken und knirschen; man kann sich vorstellen, wie viele Kalkschalen dabei zerbissen werden.

Rochen können sich, wie gesagt, fast unsichtbar machen. Während die Unterseite dieser Fische häufig in schönem Weiß erstrahlt, ist die Oberseite in aller Regel dem Untergrund angeglichen. So sind, nebenbei bemerkt, fast alle Bilder, die einen Rochen kontrastreich in hübscher Farbe zeigen, entweder im Aquarium oder auf dem Trockenen gemacht. Unter Wasser ist meist alles blau in grau.

Manche von diesen Fischen gehen aber noch weiter in der Kunst des Verbergens. Sie graben sich buchstäblich in den Boden, um dort auf Beute zu lauern. Mit den Brustflossen schaufeln sie sich Sand und Schlamm auf den Rücken. Ein Freund von mir trat, als er an einer abgelegenen Stelle der australischen Küste zum Tauchen ins Wasser stieg, auf solch einen eingebuddelten Rochen. Das heißt: Er trat nicht direkt auf ihn, sondern nur auf seine Schwanzspitze. Und da es sich dummerweise um einen Stachelrochen aus der Familie Dasyatidac handelte, lag der Freund anschließend vierzehn Tage im Krankenhaus. Einige dieser Rochenarten haben nämlich Schwanzstacheln, die giftig sind wie Indianerpfeile. Diesen Stachel setzen sie höchst wirksam zur Verteidigung ein.