Manche wehren sich mit elektrischem Strom

Viele der sogenannten Echten Rochen (Rajoidei) halten es mit der Elektrizität. Sie haben seitlich an ihrem peitschenartigen Schwanz ein kleines Kraftwerk, das auf chemoelektrischem Wege - nach dem gleichen Prinzip wie eine Autobatterie - Strom liefert.

Rochen
Hier sind die beiden Augen - die beim Rochen auf der Oberseite sitzen - gut zu erkennen. Daneben finden sich Vertiefungen im Kopf. Es handelt sich um Spritzlöcher, um umgebildete Kiemenspalten. Rochen, die auf dem Meeresgrund liegen, können ja den Mund nicht benutzen, um das Atemwasser einzusaugen. Dazu sind dann die Spritzlöcher an der Oberseite des Kopfes da.
Rochen

Gefährlich wird diese Elektrizität niemand, denn die Spannung beträgt bei den meisten Arten höchstens vier Volt. Das ist nicht viel. Keiner hätte Angst davor, mit einer Taschenlampenbatterie in die Badewanne zu steigen; das würde etwa den gleichen Effekt bringen wie die Begegnung mit einem Rochen. Auch Beutefischen kann diese schwache Spannung nichts anhaben. Vielleicht dient sie wie ein Radarsystem zum Orten von Beutetieren, Partnern, Hindernissen oder Feinden.

Diese Schwachstrom-Anlagen schaden also niemand. Anders ist es bei den sogenannten Zitterrochen aus der Unterordnung Torpedinoidei. Sie können eine kräftigere Batterie auffahren: Ihre vielen zehntausend Elektrozellen (es handelt sich um umgebildete Muskelzellen, die nicht im Schwanz untergebracht sind, sondern links und rechts an den Körperseiten), die bis zu einem Viertel der Körpermasse einnehmen, liefern ganz ansehnliche Spannungen. Ich bin noch keinem dieser schwimmenden Kraftwerke begegnet, die sich meist in den Sand vergraben und erst beim Nahen eines Fisches hervorschießen, um ihre Elektrowaffe einzusetzen. Aber Fachleute berichten, daß sie 70, 100, 200 und sogar 300 Volt gemessen hätten. In der Literatur taucht immer wieder ein Richtwert von 220 Volt auf, so, als hätten sich die Zitterrochen der alten deutschen Inlandsnorm angeschlossen. Aber sicher bilden Rochen in ihrem Spannungsverhalten keine Ausnahme von der Regel, die für alle Lebewesen gilt: Körperliche Äußerungen hängen in ihrer Intensität von der Größe, vom Lebensalter und von der Verfassung ab. Die Spannung der Zitterrochen wird also wohl schwanken. Tatsache ist jedenfalls, daß der Mensch sich wohl hüten muß, einem solchen Zitterrochen im Bösen zu begegnen: Spannungen von 200 Volt sind nicht nur für Beutefische unangenehm (die sofort betäubt oder tot sind), sondern sie bringen auch einen Schwimmer in Gefahr. Herztätigkeit und Kreislauf geraten durcheinander, und der Schock tut ein Übriges. Solch eine Begegnung kann tödlich sein. Aber glücklicherweise pflegt die Mehrheit der Menschen nicht in den Tiefen unmittelbar überm Meeresgrund zu schwimmen, wo sich die Zitterrochen aufhalten.

Was die Rochen von allen anderen Fischen gründlich unterscheidet, ist ihre Gestalt und damit die Art ihrer Fortbewegung. Die Brustflossen sind meist zu großen, muskulösen Schwingen ausgebildet, die von vorn bis hinten fest mit dem Körper verbunden sind. Das erlaubt den Rochen einen Schwimmstil, den kein anderes Tier zu bieten vermag. Sanft und graziös gleiten sie durchs Wasser es ist fast mehr ein Fliegen als ein Schwimmen.

Mancher Unterwasserfotograf, der sich unvermutet solch einem fliegenden Teppich gegenübersah, wie er wenige Zentimeter überm Meeresboden dahinschwebte, vergaß vor Faszination, auf den Auslöser zu drücken.

Rochen
Der Mund sitzt an der Unterseite des Fisches. Unterhalb des Mundes, in einem Bogen angeordnet, sieht man die Kiemenspalten. Dort wird das Atemwasser ausgestoßen. Die zwei Öffnungen oberhalb des Mundes sind Nasenlöcher.