Auch im Aquarium werden sie nicht alt

Die Lebensdauer dieser Fische ist, entsprechend den Verhältnissen in der Natur, nur kurz. Auch unter optimalen Bedingungen also etwa im Aquarium, wo genügend Wasser ist - leben sie nicht viel länger als die Zeit einer Regensaison.

Saisonfisch - Nothobranchius neumanni
Nothobranchius neumanni

Aber es gibt auch andere Saisonfische, die an weniger extreme Bedingungen gewöhnt sind und in Gewässern leben, die nicht alljährlich völlig austrocknen. Diese Fische - die aber der gleichen Familie wie die vorhin beschriebenen Arten angehören - können älter werden und leben oft mehrere Jahre. Sie sind auch keine Bodenlaicher, sondern Haftlaicher, die ihre Eier an Wasserpflanzen ablegen. Diese Eier brauchen ebenfalls eine Ruhepause, bevor die Jungen schlüpfen; es muß aber nicht unbedingt eine Trockenzeit sein.

Saisonfisch - Aphyosemion australe

Die Männchen aller Saisonfische haben zwei bemerkenswerte Eigenschaften. Erstens sind sie leuchtend bunt. Vermutlich handelt es sich um Warnfarben, die Räuber abschrecken sollen. Wenn man einem Raubfisch (wie etwa dem Flösselhecht aus Westafrika) Saisonfische aus dem gleichen Gebiet als Futter anbietet, dann frißt er sie erst, wenn er gar nichts anderes mehr hat. Bei den Aquarienfreunden sind Saisonfische wegen ihrer Färbung ungemein beliebt; dort nennt man sie meist "Killi-Fische".

Saisonfisch - Nothobranchius rachovi

Die zweite Eigenart der Männchen ist eine ausgeprägte Aggressivität gegenüber ihren männlichen Artgenossen. Wenn sie einen Konkurrenten sehen, greifen sie ihn meist an, zerfetzen seine Flossen und töten ihn oft. Bei manchen Arten - so aus der Gattung Nothobranchius in Ostafrika - hilft die Natur den schwächeren Männchen durch einen originellen Trick: Diese Fische, die beim Kampf immer unterlegen wären, nehmen die weitaus bescheidenere Farbe der Weibchen an. Dann werden sie von den stärkeren Artgenossen nicht angegriffen; ja, diese versuchen sogar, sich mit den "verkleideten" Männchen zu paaren.

Die Paarungslust der Saisonfisch-Männchen ist überhaupt sehr groß. Sie versuchen, sich mit jedem anderen Fisch zusammenzutun und machen durchaus keinen Unterschied zwischen Weibchen verschiedener Arten oder Gattungen. Im Aquarium nutzt man das aus, um die erstaunlichsten Kreuzungen zustande zu bringen.

Saisonfisch - Cynolebias nigripinnis

Die wissenschaftliche Untersuchung, ob es sich um eine eigene Art, eine Lokalform oder nur um eine Kreuzung handelt, ist im Grunde einfach: Man untersucht, ob die Fische fortpflanzungsfähig sind. Nicht miteinander verwandte Arten haben nämlich unterschiedliche Chromosomenzahlen, und deren Nachkommen sind unfruchtbar. Solche Untersuchungen hat vor allem der Forscher Roloff in Karlsruhe durchgeführt; deshalb wurde ihm zu Ehren eine ganze Gattung dieser Fische (Roloffia) nach seinem Namen benannt.

Es gibt heute viele Amateurforscher, die sich ein Hobby daraus gemacht haben, in Kamerun oder in Westafrika nach immer neuen Saisonfischen zu suchen. Sie wollen eines Tages - neben den zahllosen Lokalrassen oder Kreuzungen - einmal eine wirklich neue Art finden.