Die großen Waller schnappen sich Enten

Es gibt unglaublich viele Arten von Welsen, an die zweitausend. Sie sind in vielen Flüssen unserer Welt zu Hause - einige auch im Meer -, und alle haben sie Bartfäden. Manche werden nur handgroß, andere noch kleiner.

Wels

Wieder andere sind rechte Riesen, wie zum Beispiel die Waller (Siluris glanis), die früher auch überall in Deutschland heimisch waren - im Rhein, in der Elbe, in der Weser und, besonders ausgewachsen, in den schlammigen Seen des Donaugebiets. Auch heute gibt es sie noch, wenngleich in weit geringerer Zahl und kleiner als früher.

In Fischereibüchern des 19. Jahrhunderts findet man Welse von acht bis zehn Fuß (zweieinhalb bis drei Meter) Länge und drei bis vier Zentnern Gewicht erwähnt. Im Spierdingsee in Ostpreußen fing man einen mit dreizehn Fuß - das sind fast vier Meter.

Diese Welse schnappen sich schlechthin alles - auch Enten und Gänse -, einer soll im vergangenen Jahrhundert sogar ein Kind gefressen haben.

Was man in Amerika aus den Flüssen zieht, hat nicht diese Ausmaße; es sind auch andere Arten. Aber auch dort sind die Welse kritiklose Allesfresser. Das ist der Grund, warum man vielen als Köder oft nur einen Lappen, ein Stück Orangenschale oder einen ausgetretenen Stiefelabsatz vorzuhalten braucht. Sie fallen darauf herein. Aber nicht nur deshalb sind Welse in Amerika die weitaus meistgegessenen Süßwasserfische; sie kommen lange vor den Karpfen.

Es lag nahe, daß ich die Welse in ihrer Gefräßigkeit zunächst für stumpfsinnige Burschen hielt. Aber da hatte ich abermals Unrecht. Sie sind alles mögliche, aber nicht stumpfsinnig in des Wortes Bedeutung: Ihr Sinnesapparat ist geradezu phänomenal. Sie riechen hervorragend. Zunächst mit der Nase, wie die Menschen auch. Außerdem riechen oder schmecken sie mit Organen, die an ihren Bartfäden sitzen. Solche "Geschmacksknospen" tragen sie übrigens am ganzen Körper - in der Haut des Bauches ebenso wie im Schwanz. Offenbar ist ein Wels imstande, sehr differenziert zu schmecken: Mit den Barteln faulendes Holz, mit dem Leib die nahe Anwesenheit eines anderen Fisches, mit dem Schwanz einen verlockenden Köder. Oder so ähnlich.

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