Auch der "Goldene Esel" ist ein Leckerbissen

In der antiken Literatur gibt es zahlreiche Tierfabeln, in denen Esel eine Rolle spielen.

Esel
Esel

An dieser Stelle dürfen wir dem Leser die Lektüre einer Kostbarkeit der Weltliteratur empfehlen, in der ein Esel im Mittelpunkt steht: den "Goldenen Esel" des Apulejus von Madaura (2. Jahrhundert). Hier wird ein vornehmer Römer namens Lucius aus Versehen in einen Esel verwandelt. In der Haut des Langohrs, aber mit dem Verstand und Gefühl eines Menschen, erlebt und erleidet er die verschiedenartigsten Schicksale und hört sich die mannigfaltigsten Geschichten an, von denen die bekannteste die von Amor und Psyche ist. Doch auch die dionysische Seite des Esels kommt einige Male auf deftige Weise zum Ausbruch.

Auf seinem Weg nach Norden verblasst das Bild des Esels immer mehr. Praktische Bedeutung hat er bei uns nie erlangt. Dafür hat er sich in unserer Sprache auf ungeahnte Weise breitgemacht. Dabei spiegelt sich das gespaltene Verhältnis der Römer zum Esel auch in unserer Sprache wider. Im Mittelalter waren in Süddeutschland Namen wie Walter Esel von Dürrheim, Belrein von Eselsberg, Rudolf der Esel von Eselsburg und ähnliche weder selten noch ehrenrührig. Ein edles bayrisches Geschlecht trug den Namen "Frumesel", was soviel wie "Oberesel" heißt.

Auf der anderen Seite übernahmen unsere Altvordern mit der übrigen Kultur auch die antike Vorstellung vom Esel mit allen seinen negativen Eigenschaften. Das gab Anlass für verbale und gestische Beschimpfungen, die sich zum Teil bis heute erhalten, sich andererseits aber auch auf interessante Weise gewandelt haben. Während man in der Antike die gestreckte Hand an der Schläfe hin-und herbewegte, um einen lieben Mitmenschen als Esel zu bezeichnen, machte man das im Mittelalter so, dass man eine Faust ballte und dabei Zeigefinger und kleinen Finger ausstreckte. Das nannte man "einem den Esel stechen". Heute hat sich, wie wir wissen, diese namentlich unter Autofahrern belichte Geste geändert und wurde ziemlich sinnlos - auf den Vogel übertragen. Noch im 18. Jahrhundert sagte man von jemand: "Er kam auf den Esel", wenn man sagen wollte, er sei gesellschaftlich oder finanziell ruiniert. Heute hat man dieses Bild dem Hund angehängt.