Zwanglos arrangierte Parties

Bei Giraffen ist die Zeichnung des Fells typisch für das Individuum. Man kann sie daran so leicht erkennen wie Menschen an ihrem Fingerabdruck.

Giraffenrudel
In den losen Gemeinschaften, in denen Giraffen sich bewegen, gibt es natürlich auch die üblichen Duelle zwischen den Männchen (die bei den Giraffen "Bullen" genannt werden). Als Waffe dient hier der Kopf: Auf dem langen Hals wirkt er als imponierende Keule, die man dem Gegner in die Flanke rammen kann. Die Bullen schlagen oft aufeinander ein, daß es dröhnt. Doch kommt es nur selten zu Verletzungen. Allerdings findet man zuweilen einen Giraffenbullen, der bei solch einem Duett für kurze Zeit bewusstlos geschlagen wurde - wie ein Boxer. Meist jedoch ziehen die Gegner nach einem ausgedehnten Schlagabtausch friedlich nebeneinander auf die Wiese.
Giraffe

Freilich braucht man - für beides - den geschulten Blick. Um diesen Blick zu schärfen, war unser Freund aus Bern angereist. Ein nervenberuhigendes, interessantes Hobby, das er sich für die Ferien verordnet hatte.

Unser Schweizer war nicht der erste, der versuchte, auf diese Weise Giraffen zu katalogisieren. Der Zoologe Foster hat Jahrzehnte seines Lebens darauf verwendet, Giraffen zu fotografieren und systematisch zu erfassen, ganz im Sinn einer Bevölkerungszählung. Ihm und seinen Kollegen haben wir es zu verdanken, daß das zoologische Wissen über die Giraffe heute so umfassend ist wie bei wenigen anderen wildlebenden Tieren. Hunderte von Details hat man herausgefunden. Zum Beispiel, daß sie oft in Gruppen auftreten, aber keine Herdentiere sind. Sie bilden auch keine Rudel wie Rehe oder Hirsche. Es sind wechselnde Gruppierungen, nicht anders als zwanglos arrangierte Parties. Und noch zwangloser als dort werden die Partner gewechselt. Es gibt unter Giraffen auch keine bestimmten Jahreszeiten, die vorwiegend der Fortpflanzung gewidmet sind. Werbung, Hochzeit und das Ende der Bekanntschaft vollziehen sich ohne Aufsehen und gleichsam nebenher.