Die Gefahr "Wolf" ist selten geworden

Gewaltige Felsbrocken gewährten ab und zu Überblick in die Weite. Dann blieb das Fernglas an vier, sieben, acht - nein, genau elf Pünktchen hängen.

Moschusochse
"Moschusochse" - der Name stammt von dem Naturforscher Jeremie, der die Tiere 1720 entdeckte. Es war gerade Brunftzeit - zwischen Juli und September -, in der die Bullen tatsächlich nach Moschus riechen.
Moschusochse

Dunkelbraune Tiere, sie bewegten sich, offenbar äsend, im Schneckentempo in einer weiten Mulde. Nun nahm der Nordmann den Feldstecher, strahlte: "Ja - vel, Moskus, ein ganzes Rudel!" Gleich Rentieren sind Moschusochsen Überlebende der Eiszeit, stärkstes Landwild der Arktis. Es lagen wohl noch an die tausend Schritt zwischen dem Rudel und uns, vielleicht auch mehr. In glasklarer Polarluft täuscht man sich leicht. Was würden die weiblichen Tiere tun, wenn sie uns witterten? Die Frage interessierte den Zoologen. Beim Ziehen der Herde bestimmen sie, die die Kälber führen, Richtung und Weg, nicht der Stärkste im Rudel, der Leitstier. Das Rudel vor uns bestand aus drei Kühen, von denen zwei je ein Kalb hatten. Außer dem kapitalen Stier gehörten zwei kräftige Jungstiere dazu. Inzwischen ästen sich die zottigen Tiere an den Wasserlauf heran. Der Stier bildete die Nachhut, wohl um vor Überraschungen zu schützen. Sie wären ernstlich nur von Wölfen zu erwarten, die aber hier sehr selten geworden sind. Nun stand das Rudel am Flüsschen Doch lange nach einer günstigen Stelle zu suchen, ginge wohl gegen Moschusochsenart. So setzte eines der Tiere gemächlich Lauf vor Lauf. Das eiskalte Wasser reichte ihm fast bis unter den Bauch und fuhr durch seinen Fransenmantel, der bis auf die weißen Schalen herunterhing. Behutsam folgte das Rudel, die Kleinen schmiegten sich eng an ihre dickbepelzten Mütter.