Ausdauernd, unempfindlich und geländesicher

Ob ich mir ein Pusztapferd als Reitpferd anschaffen würde? Nur zu gern!

Pusztapferd

Zwar sind die Noniuspferde vom Äußeren her nicht so besonders attraktiv: ziemlich großrahmig und knochig gebaut, mit etwas schwerem Kopf, der zur Ramsnase neigt. Aber was bedeuten Äußerlichkeiten bei so viel Anspruchslosigkeit, Ausdauer, Unempfindlichkeit und Geländesicherheit? Sie sind temperamentvoll, auch mal mutwillig, aber nie böse oder nervös. Da kann dicht davor ein Fasan auffliegen - von so etwas lassen sie sich nicht aus der Ruhe bringen.

Junghengste, die für eine Laufbahn als Sportpferd ausgewählt sind, werden "gelegt" (kastriert), bevor sie ausgewachsen sind. Der so entstandene Wallach ist im Wesen ruhiger und fügsamer. Auch im Äußeren verändert er sich: der Kopf wird feiner, der Hals schlanker, dafür die Kruppe breiter, Schweif und Mähne dünner. Die Methode, Hengste zu verschneiden, kam im Mittelalter nach Westeuropa. Sie stammt aus der Walachei oder sogar aus Ungarn; auf französisch heißt der Wallach "hongre", also Ungar.

Der schmerzliche Eingriff wird in Hortobágy ohne Betäubung sehr schnell von geschickten Tierarzthänden ausgeführt. Einmal ereilte auch mein damaliges Reitpferd dort dieses Schicksal. Während ich betrübt an seiner Box stand und sinnierte, wie er - oder jetzt es - sich wohl vorkommen müßte, weil ihn plötzlich die Stuten nicht mehr interessierten, fing es im Stall lecker zu duften an. Mich zog es zum Wachstübchen der Pferdehirten, Auf dem eisernen Öfchen brutzelte appetitlich Aussehendes in roter Paprikasauce. Die Csikós bereiteten sich die Hodendrüsen des eben kastrierten Hengstes zu. Spielt da die magische Tradition eines alten Reitervolkes eine Rolle - oder ist das ganz einfach ein Leckerbissen? Wahrscheinlich spielt beides mit.

Die Hirten lachten über mein verstörtes Gesicht, ermunterten mich mit einem Schluck Wein und stimmten das alte Liedchen an: "Soll das Pferd nur trauern! Sein Kopf ist groß genug dazu."