Das Paradies der Pferde

In Ungarn leben auch Zuchtpferde noch so, wie es ihnen gefällt: frei, in großen Herden, die über die weite Puszta streifen. Wenn es so etwas wir glückliche Pferde gibt, dann sicherlich dort.

Pusztapferd

Drängendes Gewoge braunschwarzer Leiber, wehende Fahnen von Mähnen und Schweifen, dumpfer Trommelwirbel der Hufe auf dem harten, weißen Csikboden - der berittene Hirt treibt gerade die Jährlinge zum Brennen. Wir sind draußen bei den Pferdeherden auf der Puszta Hortobágy.

Das Gestüt liegt abseits der großen Straße. Der eilige Reisende wird die Herden kaum zu Gesicht bekommen. Wer möchte hier schon verweilen? Im Frühjahr und Herbst watet man knietief durch zähen Morast. De, Sommer bringt Staub und über 40 Grad Hitze; der Winter nicht besonders viel Schnee, aber eisige Nordstürme bis 20 Grad minus. Was ist hier schon zu sehen? Endlos und eintönig dehnt sich das karge Weideland. Schüttere Akazienreihen und lehmgelbe Kanäle durchziehen schnurgerade das Land. Der Boden zeugt von der Dürre, der Wind treibt Staubfahnen vor sich her. Das Gesicht der Puszta ist ungastlich und abweisend. Nur zu Pferd läßt sich ihre seltsame herbe Schönheit erobern. Und auch das nur mit einiger Mühe. Denn was aus der Ferne wie gepflegter Golfrasen aussieht, ist in Wirklichkeit gefährlicher Boden mit Gräben, Morasttümpeln und tückischen Ziesellöchern, die einen leicht samt dem Pferd Purzelbäume schlagen lassen.

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