Halb wild, aber mit langen Stammbäumen

Seit jener Zeit wird in Ungarn planmäßig gezüchtet. Zwar wachsen Pusztapferde frei und ungebunden auf, doch bestimmt auch bei ihnen der Mensch die Paarung.

Pusztapferd

Auch hier werden nur angekörte, also geprüfte und mit Deckerlaubnis versehene Hengste sowie die besten Stuten zur Zucht eingesetzt, Nach praktischen Gesichtspunkten sucht der erfahrene Pferdezüchter Vater- und Muttertiere aus - je nachdem, was er züchten will. Pusztapferde sind also zwar zum Teil halb wild, aber nicht einfach Wildwuchs. Sie haben lange, sorgfältig geführte Stammbäume. Doch haben wir es auch schon erlebt, daß die Junghengste - sie sind ja schon mit wenig mehr als einem Jahr zeugungsfähig - dem verführerischen Duft der Stutenherde nicht widerstehen konnten und dorthin durchbrannten. So etwas gibt einigen Ärger für den Csikós, den Hirten, und nach 335 Tagen mit ziemlicher Sicherheit "Kinder der Liebe" - Fohlen ohne Vatersnamen. Doch sind sie vom gleichen schönen Schnitt der Rasse.

Der vom Züchter vorgesehene Paarungsakt wird in Hortobágy grundsätzlich "aus der Hand" vollzogen: Je ein Mann führen Hengst und Stute zusammen und leisten auch sonst Hilfestellung. Wenn die Stute den Höhepunkt ihrer Rossigkeit erreicht hat, schlägt sie den Hengst zwar nicht mehr ab; dennoch bindet man sie an Vorder- und Hinterbeinen, damit sie ihren Gemahl nicht im Eifer verletzt. Mich amüsiert immer wieder das wilde Imponiergehabe der Hengste, wenn man sie aus ihrer Box führt, sie wissen ganz genau, wozu man sie jetzt braucht.