Überbleibsel vom dritten Schöpfungstag

"Lebende Fossilien" sind es, sagen die Zoologen. Also Geschöpfe, die man schon als Versteinerungen kennt. Dreißig Millionen Jahre alt. Unter den Huftieren gibt es nur wenige solcher Urgestalten der Tierwelt.

Tapir

"Tertiär" nennt die Geologie die Zeit vor rund 30 Millionen Jahren. Unter fester Scheidung von Kontinenten und Tiefsee (wie es die Bibel vorn dritten Schöpfungstag berichtet) gliederte sich das heutige Erdbild. In Mitteleuropa wuchsen Palmen, Laubbäume fand man sogar in Nordnorwegen. Längst gab es Vögel, Süßwasserfische und Säugetiere.

Zu den Huftieren, die damals lebten, gehörten auch die Tapire. Sie (und die Nashörner) zählen heute zu den ganz wenigen Formen, die sich seit jener mittleren Tertiärzeit fast unverändert bis heute erhalten haben. Zoologen nennen sie "Lebende Fossilien".

Die Tapire, diese Überbleibsel aus der Zeit des dritten Schöpfungstages, die primitivsten lebenden Huftiere, gehören vielleicht nicht gerade zu den schönsten und graziösesten Geschöpfen. Wohl aber zu den harmlosesten und gutmütigsten.

Als es in unseren Breiten wärmer war, lebten sie auch überall in Europa. Später zogen sie sich in die Dschungelregionen von Asien und Südamerika, zum Teil auch in die Gebirge zurück. Dabei starben von den sehr zahlreichen Arten die meisten aus. Vier blieben übrig. Sie leben friedlich und vegetarisch von Baumschößlingen, Blättern und jungen Trieben, die sie mit ihrem kurzen, sehr beweglichen Rüssel abreißen. Sie lieben Feuchtigkeit, baden gerne, sind scheu und einzelgängerisch. Allzuviel weiß man von ihnen nicht.

Dabei muß man die Tapire heute als eine Tierart ansehen, die in Gefahr ist, ausgerottet zu werden. Ausgerottet, ehe man noch ihre Lebensweise ausreichend erforscht hat.