Schwarzkitteln macht man nichts weis

Im Harz, unweit von St. Andreasberg, habe ich das einmal miterlebt: Wildschweinfütterung zu mitternächtlicher Stunde.

Wildschwein
Wildschwein

Das hat sich dort längst herumgesprochen bei Mensch und Tier, und so kommen sie in Rotten auf vier Beinen und in Kolonnen mit Scheinwerfern auf Rädern. Das letzte Stück Weges legt man zu Fuß zurück, späht im Dunkel auf der (für Fahrzeuge gesperrten) Waldstraße umher und meint, im niederen Gehölz die Schatten von Tieren huschen zu sehen. Die Phantasie wird aber erst zufriedengestellt, wenn man am Futterplatz eintrifft, der durch gedämpftes Flutlicht erhellt ist. Da wimmelt es von Schwarzkitteln jeder Größenordnung. Vereinzelt trollt ein neugieriges Jungtier über den Weg, während das Gros des Wildes sich in disziplinierten Rotten im Halbdunkel des Waldes zusammenhält.

Gleich dieser erste Eindruck bestätigt die gesellige Natur des Schwarzwilds. Es ist auch bekannt, dass diese Tiere, alt und jung, untereinander die Körpernähe suchen. Das heißt, dass sie kontaktfreudig sind. Wenn sie ruhen, liegen sie dicht beieinander. Jungtiere oft übereinander, wie man es bei jungen Hausschweinen gewöhnt ist.

Nach der Fütterung - es gab gemischte Kost aus Rüben. Kartoffeln, Äpfeln und Eicheln - und nach dem Erlöschen des Flutlichts zog sich das Wild lebhaft grunzend und schmatzend, aber in mustergültiger Ordnung, ins Dickicht zurück. 

Dieser nächtliche Spuk war meine erste Begegnung mit Wildschweinen, weit weniger aufregend als vermutet. Ich hätte nie gedacht, dass es ein solch anheimelndes, ja beinahe anmutiges Schaustück sein könnte.