Zoologisches Stichwort

Wildschweine

Bache mit Frischlingen

Das Wildschwein (Sus scrofa) ist die Stammform des Hausschweines und gehört zur Familie Schweine (Suidae) in der Ordnung Paarhufer (Artiodactyla). Es ist hochbeiniger als das Hausschwein, mit schwarzbraunem, "graubereiftem" Pelz. Der Kopf ist gestreckter. Bei den Männchen ("Keiler") sind die Eckzähne zu kräftigen "Hauern" ausgebildet. Die Jungen sind auf gelbbraunem Grunde dunkel längsgestreift ("Frischlinge"). Später wirken sie fleckig.

Erwachsene Wildschweine werden bis etwa 1,80 m lang, bei einer Schulterhöhe von 90 bis 115 cm. Starke Keiler können bis zu 350 kg schwer werden. Weibchen ("Bachen") sind immer kleiner und leichter als die Männchen. Wildschweine gibt es in fast ganz Europa, sofern geeignete Lebensräume vorhanden sind. Sie bewohnen Wälder mit Dickungen, Sumpfgebiete und Buschwälder. Man kann sie sowohl nachts als auch tagsüber beobachten. Sie erscheinen meist in "Rotten"', während alte Keiler Einzelgänger sind. Als Lager dienen gescharrte Mulden im Gestrüpp ("Kessel"), in denen die Tiere häufig tagsüber ruhen. Bei Nacht unternehmen sie nicht selten weite Wanderungen. Wildschweine haben eine große Vorliebe für Schlammbäder und wälzen sich in Sumpflöchern ("Suhlen"). Die Paarungszeit ("Rauschzeit") beginnt im November und dauert bis Januar. Die Tragzeit beträgt 16 bis 20 Wochen. Die Bache bringt die vier bis zwölf gestreiften Jungen in einer mit Pflanzenmaterial ausgepolsterten Mulde zur Welt. Die Augen sind bei der Geburt bereits offen, und die Jungen folgen sofort nach dem Abtrocknen der Mutter. Zwei bis drei Monate werden sie gesäugt.

Wildschwein

Das gestreifte Jugendkleid wird im Alter von zehn bis elf Monaten allmählich durch ein dunkelbraunes Haarkleid ersetzt. Die Jungen sind aber schon vorher, etwa mit einem halben Jahr, selbständig. Doch bleiben sie mit der Mutter in der "Rotte" zusammen. Mit einem Jahr sind Wildschweine zwar schon geschlechtsreif, aber erst nach fünf bis sechs Jahren voll ausgewachsen. Sie werden etwa 20 Jahre alt. Bei der Nahrungssuche brechen Wildschweine häufig den Boden auf. Sie sind Allesfresser und verzehren vor allem Eicheln, Bucheckern, Wurzeln, Grünzeug, Pilze, Feldfrüchte (nicht selten wühlen sie Kartoffeln auf Äckern aus!), Insekten und andere Kleintiere sowie Gelege bodenbrütender Vögel und nicht selten auch Aas.

Wildschweine sind sehr anpassungsfähig. Sie fühlen sich in den unterschiedlichsten Landschaften wohl - im Flachland ebenso wie im Hochgebirge - und sind in Europa, Nordafrika und Asien fast überall dort verbreitet, wo Laubwälder stehen. Der Mensch hat Wildschweine - teils des Fleisches, teils nur der Jagd wegen - auch in anderen Teilen der Welt heimisch gemacht: in Nord- und Südamerika sowie auf zahlreichen Inseln bei Australien. In England hingegen sind die Wildschweine bereits seit dem Mittelalter ausgerottet.

Bache mit Frischlingen

Wenn man das unscheinbare dunkelgraue, dunkelbraune oder schwarze Fellkleid der erwachsenen Wildschweine betrachtet, fällt der Unterschied zu den jungen Wildschweinen, den Frischlingen, besonders auf: Deren Fell leuchtet in lebhaften gelb-braunen Streifen.

Nach drei Monaten verschwindet diese Musterung allmählich, und nach einem halben Jahr haben die jungen Wildschweine das gleiche borstige, dunkle Fell wie die älteren Tiere. Warum sehen die Jungtiere so ganz anders aus?

Eine wissenschaftliche Theorie besagt, dass die lebhafie Fellzeichnung allen jungen Wildschweinen zu eigen ist, weil sie ein Tarnmuster darstellt. Wenn die Wildschweine größer werden, brauchen sie kein Tarnkleid mehr, weil sie flüchten oder sich verteidigen können.