Kurzes Glück für ein ganzes Leben

Ein Gedanke zuckte durch mein Gehirn. Ich wollte ihn verdrängen, denn eigentlich war er mir biologisch zu unwahrscheinlich.

Und doch überlegte ich und sprach es auch aus: "Sollte das Weibchen kopulationsbereit aus dem Boden kommen und dann einfach an Gras oder Schilf oder anderen Pflanzen hochsteigen - dem Zufall vertrauend, auf einen Partner zu stoßen?"

Nur wenige Augenblicke später kletterte das Weibchen an einem alten, abgebrochenen Schilfhalm hoch. Auch daran saß kein Männchen. Ich versuchte, den Glücksbringer zu spielen. Zuvor schon hatte ich festgestellt, dass man einen Halm, an dem ein Männchen sitzt, abpflücken kann - der Käfer lässt sich dadurch nicht stören. Er hält sich weiter mit rückwärts ausgestreckten Hinterbeinen fest. Ich pflückte also vorsichtig einen Grashalm mit einem Hoplia-Männchen daran und steckte ihn auf den Schilfhalm - gerade noch rechtzeitig, bevor das Weibchen dessen Spitze erreicht hatte.

Das Weibchen marschierte weiter den Grashalm hoch. Gespannt warteten wir. was passieren würde: Die Filmkamera war bereits auf das Männchen gerichtet. Jederzeit können wir nun das Zusammentreffen des Paares wieder vorführen. Von diesem Film wissen wir auch, dass die Paarung genau 13 Sekunden dauerte. Bei später beobachteten Pärchen schwankte die Zeit nur um wenige Sekunden.