Kurzes Glück

Nur einmal im Leben hat man das Glück, einen Dachs in freier Natur zu sehen; nur einmal begegnet man einem guten alten Freund nach zehn Jahren zufällig vor den Uffizien in Florenz.

Hoplia

Solche Glückstage sind selten. Einen besonderen Glückstag haben wir vermerkt: Ein kleiner Käfer stellte uns sein ungewöhnliches Liebesleben vor. Er ließ uns - und wir waren wahrscheinlich die ersten - einen Blick in seine privatesten Lebensgewohnheiten tun. Viele Jahre lang haben wir seitdem versucht, ihn wieder zu belauschen. Gewiss, er hat uns für kurze Augenblicke Einzelheiten aus seinem Verhalten gezeigt, so dass wir unsere Beobachtungen von damals bestätigen und ergänzen konnten. Ob wir aber das Glück haben, alles in so lückenloser Vollständigkeit noch einmal ablaufen zu sehen, ist mehr als fraglich.

Wir hatten am Rio Ter in Spanien einen Platz entdeckt, an dem Hoplia coerulea vorkommt. Das ist ein acht bis zehn Millimeter kleiner Käfer, der zu den Blatthornkäfern (Scarabaeidae) gehört, also mit Maikäfern, Rosenkäfern und Mistkäfern verwandt ist. Man kann ihm in Spanien, Frankreich und in der Westschweiz begegnen. In Deutschland kommt er nicht vor. Deshalb hat er, zum allgemeinen Leidwesen, auch keinen deutschen Namen.