Manchmal gibt's ein Gerangel

Unser Weibchen stieß beim Emporklettern automatisch unter den Bauch des Männchens.

Dieses klappte die Beine herunter und saß dann praktisch schon auf dem Weibchen. Nicht immer ist die Ankunft einer "Sie" so ideal. Sie kann ja auch mehr seitlich oder am Kopf des Männchens auftreffen. In diesen Fällen gibt es ein kleines Gerangel, bis die richtige Position eingenommen ist. Dann streckt das Männchen sein Begattungsorgan heraus, hebt damit die Afterklappe des Weibchens hoch und führt es ein. 13 Sekunden später erfolgt bereits die Trennung.

Das Weibchen kriecht dann sofort unter dem Männchen hervor, lässt sich zu Boden fallen oder kriecht den Halm hinunter und wühlt sich in die Pflanzenreste der obersten Schicht ein. Das Männchen aber streckt sofort wieder seine Hinterbeine aus und nimmt die "Hab-Acht-Stellung" ein - als würde gleich die nächste Partnerin ankommen.

Innerhalb weniger Sekunden hatten wir von den Käfern die Antwort auf unsere beiden Fragen erhalten. Erstens: Da die Weibchen von Hoplia coerulea nur einmal, wenn sie begattungsbereit sind, aus der Erde herauskommen und sich nach der Kopulation sofort wieder eingraben, findet man sie so selten. Zweitens: Die Männchen sitzen in "Hab-Acht-Stellung", da diese die beste Gewähr bietet, dass von unten eine Partnerin auf sie stößt. Eigenartig ist. dass die Partnersuche weitgehend dem Zufall überlassen bleibt.

Zwei Jahre später konnten wir nun tatsächlich wieder das Hoplia-Liebesglück belauschen, nachdem wir tage-, ja wochenlang an den verschiedenen Biotopen nach den Käfern gesucht hatten.

Wir wissen nun, dass die Weibchen auf irgendeine Weise die Männchen wahrnehmen können. Hin und wieder fliegen sie nämlich auch (offenbar wenn sie durch Klettern keinen Partner gefunden haben) kurze Strecken, und das sehr langsam. Dann kann man beobachten, wie sie gezielt in der Nähe eines Männchens landen. Das letzte Stück zu diesem wird regelmäßig zu Fuß zurückgelegt. Er reagiert erst aufs "Stupsen", und nur die Weibchen sind es, die den Partner suchen. Die schmucken Männchen können nichts tun. als in der grellen Sonne geduldig zu warten - die Beine als Fangkorb für eine Geliebte weit ausgebreitet.

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