Tote Mäuse

Dazu soll noch einmal Roesel von Rosenhof zitiert werden, der in seinem Garten tote Mäuse ausgelegt hatte, um Totengräber anzulocken:

Todengräber

Jedoch es verflossen wohl vier Täge, ehe sich einer sehen lies; den ersten May aber hörte ich Nachmittags um zwey Uhr, daß meine im Garten mit Wäsche beschäftigte Leute, mit grossen Gelächter einen Lermen machten, und als ich solche frug, was sie hiezu bewegte, bekam ich zur Antwort: es wollte eine von den größeren toden Mäusen, die schon so lange da lägen und bereits stänken, davon lauffen. Ich ließ mir sogleich beyfallen, daß etwan die gewünschten Todengräber angekommen seyn mögten, daß sie aber die toden Mäuße lauffen machen sollten, konnte ich nicht begreiffen. Ich eilte also in den Garten, und als ich dahin kam, so sahe ich, wie sich die Maus von ihrer Stelle bewegte und immer weiter fortrückte, und ob solches schon ganz langsam vor sich gierig, war sie doch bereits anderthalb Schuh weit, von dem Ort, wo ich sie zuerst hingelegt hatte, entfernet. Anfangs sahe ich solches mit Verwunderung an, weil ich keinen von den Todengräbern, die ich hier anzutreffen vermuthete, zu sehen bekam; als ich aber die tode Maus langsam von der Erde aufhub, fand ich unter selbiger fünf Käfer von einerley Art, welche zur Zeit einmüthig beschäftiget waren, bey dieser Leiche nicht sowohl Todengräber, als vielmehr Träger abzugeben."

Liegt das Aas auf geeignetem Untergrund, dann findet alsbald die Beerdigung statt. Es ist nicht einfach für die kleinen Käfer, den Kadaver in die Erde zu buddeln. Es muß auch fix gehen, weil sonst so viele Schmeißfliegen ihre Eier am Aas ablegen, daß deren sich schnell entwickelnde Maden nichts Freßbares für die Käferbrut übriglassen.

Die Totengräber kriechen bei ihrer Arbeit ständig um den Leichnam herum, scharren unter ihm die Erde fort, zerbeißen die Federn oder Haare und kneten die Haut. Ganz allmählich sinkt das Aas, mehr und mehr Kugelform annehmend, in den Boden.