Aus Holz und Speichel

Die Wände ihres Nestes bestehen aus Wespenpapier; die kleinen Tiere stellen es aus zerkautem Holz und Speichel her. Diese Wände sind etwa fingerdick, aber alles andere als kompakt.

Wespennest

Sie bestehen aus mehreren Lagen Papier, die Lufträume einschließen. Das ergibt eine hervorragende Wärmedämmung, eine Temperatur-Isolierung, die sich vergleichsweise nur noch mit unseren modernen Schaumstoffen erreichen läßt. Durch die Körperwärme der Bewohner, die auf diese Weise gut zusammengehalten wird, ist es im Nest an kühlen Tagen innen immer wärmer als draußen.

Jedes Wespennest ist die Gründung einer Königin, die den Winter überlebt hat. Am neuen Wohnort, den sie gefunden hat, befestigt sie als Grundstein einen herunterhängenden Zapfen aus besonders festem Wespenpapier. An ihn kittet sie eine erste kleine Wabe, die ganz regelmäßige sechseckige Zellen hat. Ihr eigener Körper dient ihr dabei als Maßstab. In jede Zelle legt sie ein zartes, weißes Ei, aus dem nach wenigen Tagen eine Wespenlarve schlüpft. Dieses ganz hilflose Geschöpf muß von der Mutter-Königin sorgsam gepflegt werden. Dabei wächst die Larve heran, wird fett und spinnt schließlich eine weiße Haube über die eigene Zelle. In deren Geborgenheit verwandelt sie sich zur Wespe; dann beißt sie den Deckel durch und kommt heraus.

Bis zu diesem Punkt ist nichts geschehen, was man nicht auch von anderen Insekten kennen würde: Die Mutter hat Eier gelegt und nach der Eiablage für ihre Jungen gesorgt. Das nennt man Brutpflege, und die Gemeinschaft ist eine "Mutterfamilie" - sie besteht aus der Mutter und ihren Kindern.

Wespe
Wespennest

Jetzt aber kommt das Besondere: Die Kinder gehen nicht ihre eigenen Wege. Sie bleiben bei der Mutter und machen sich um die Familie verdient. Dabei unterscheiden sie sich deutlich von ihrer Mutter. Sie sind kleiner und können meist selbst keine Eier legen. (Falls es aber doch einmal passiert, so sind diese Eier unfruchtbar.) Damit ist aus der Mutterfamilie ein Tierstaat geworden. Er wird nun von zwei "Kasten" bewohnt, der alten Königin und den jungen Arbeiterinnen.

Die Arbeiterinnen tun bald, was ihr Name sagt: Sie gehen ans Werk und vergrößern das Nest. Diese Arbeit ist oft sehr schwierig.