Die Amazonen mit der Wespentaille

Mit menschlichen Augen gesehen, sind Wespen keine "nützlichen" Tiere. Sie sammeln keinen Honig, tragen nichts Wesentliches zur Bestäubung der Blüten bei und sind lästig, wenn man Marmeladebrot isst.

Hornisse (Vespa crabro)
Hornisse (Vespa crabro)
Wespe

Aber lernen könnte man von ihnen: Wie man in einer Gemeinschaft sozial zusammenlebt.

Insekten sind die geborenen Vagabunden. Wohin Düfte und Wärme, Licht und Nahrung sie locken, da sind sie zu Hause. Nur manche von ihnen haben das, was man menschlich gesprochen - ein Heim nennen könnte. Zum Beispiel die Wespen. Genauer gesagt (weil ihre Familie sehr groß ist): die "Faltenwespen". Als Großfamilien wohnen sie oft in Hochhäusern mit vielen Stockwerken. Jeder Stock ist eine Wabe, und in jeder Wabe gibt es Hunderte von Zellen: moderner Wohnungsbau, wie ihn die Wespen seit Millionen von Jahren praktizieren.

Man kennt die Wespennester: graue Kugeln aus einem papierartigen Stoff, die an einem Dachbalken aufgehängt sind. So baut die "Sächsische Wespe" (Dolichovespula saxonica). Die Nester der Deutschen, der Gemeinen und der Roten Wespe (Paravespula germanica, vulgaris, rufa) sieht man nicht; sie stecken im Boden. Doch hängen sie auch dort von oben herab: an Wurzeln, die in eine sauber ausgenagte Erdhöhlung ragen. (Bei den Wespen, die uns vor allen anderen bekannt und vertraut sind, weil sie im Sommer lästig ums Marmeladeglas - oder auch ums Bierglas schwirren, handelt es sich um germanica, die Deutsche.)