Drei Monate auf Sparflamme - der Igel im Winter

Igel

In seiner natürlichen Umwelt bewohnt der Igel Spalten im Erdreich und Höhlungen zwischen Gebüsch und Gestein.

Gräbt er sich einen Bau, so trifft man darin nach der Igelhochzeit die Mutter bei der Aufzucht der Jungen an, deren Stacheln bei der Geburt noch ganz weich sind. Sie werden erst später hart. Die Igelmama braucht also keine Angst zu haben, von ihren eigenen Kindern gestochen zu werden. Der Wurf zählt vier bis sechs junge.

Häufig verbringt der Igel auch den Winterschlaf in dem mit Nestmaterial gepolsterten Bau. Nicht selten begnügt er sich aber auch mit einem Haufen Reisig oder einem Versteck im dichten Laub, um die Zeit bis März oder April zu überwintern - bedürfnislos und ohne Wintervorrat.

Die winterliche Körperstarre - wenn das Leben bei niedrigster Temperatur nur noch auf Sparflamme glimmt - verläuft beim Igel unregelmäßig, mit Unterbrechungen. Sie dauert kaum mehr als drei Monate. Im Vergleich dazu gönnen sich Fledermäuse fünf Monate und Haselmäuse sogar sechs Monate Winterschlaf.

Natürlich gab es viele Fragen zu beantworten, und manches Rätsel blieb ungelöst.

Wie es eben so ist bei einem, der dem Anschein nach sein Dasein als Einzelgänger verbringt. Da wollten die Kinder zum Beispiel wissen, ob man nicht eine Igelfamilie heranzüchten und im Garten halten könnte. Na ja, vielleicht, es käme wohl auf den Versuch an. Wenn man wüßte, ob unser Igel ein Männchen oder ein Weibchen ist aber das festzustellen, war schwierig. Denn dazu muß man den Igel so in die Hand nehmen, daß man sich die Bauchseite ansehen kann. Und das ist bei Tieren, die dies nicht gewöhnt sind, nicht so einfach. Denn wenn den Igel in seiner bedächtigen Gemütslage etwas stört, rollt er sich zur stacheligen Kugel zusammen und wartet ab. So verhält er sich bei nahenden Autos (wobei er dann überfahren wird), so begegnet er auch seinen natürlichen Feinden; zu fürchten hat er Fuchs, Dachs und Uhu.

Umgekehrt ist der Igel ebenfalls kein zimperlicher Waidgenosse. Wenn er auf Jagd geht, läßt er sich nicht selten mit Gegnern ein, bei denen es fraglich scheint, ob er ihnen gewachsen ist. So schätzt der Allesfresser neben Mäusen, Schnecken und Würmern auch kleinere Schlangen. Dabei kann es zur Begegnung mit einem ausgewachsenen, dazu noch giftigen Reptil kommen.

Auch Igels Liebesspiel ähnelt eher einem Zweikampf. Die Partner stoßen mit ihren Köpfen gegeneinander, und gleichzeitig richten sich die Stacheln an der Stirnhaut aufwärts. Dies mag neben dem Aufgeregtsein mehr noch dem Schutz vor Verletzungen dienen. Bei der Begattung steigt das Männchen auf den Rücken des Weibchens, das dann die Stacheln glatt anlegt, so daß diese nicht hinderlich sind.

Nun, wir konnten dies nicht mehr praktisch verfolgen. Ehe wir eine Gefährtin gefunden hatten, entschwand unser Igel eines Nachts grußlos auf Nimmerwiedersehen. Doch in der Zeit, in der er Hausgast mit Familienanschluß war, hatte er überzeugende Beweise seiner Anpassungsfähigkeit erbracht - vor allem, was den Umgang mit den Kindern und der Nahrung betrifft.