Sie stauen Wasser durch Dämme

Wenn es möglich ist, bleiben Biberfamilien ihr Leben lang am gleichen Gewässer, oft umgeben von Kindern und Kindeskindern, die sich eigene Burgen anlegen.

Biber
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Manchmal aber zwingt sie der Futtermangel - wenn sie alles erreichbare Grünzeug abgeweidet und alle erreichbaren Bäume gefällt haben - zum Revierwechsel. Dann wandern sie dem Wasser entlang zu neuen Futterplätzen. Ich habe solche verlassenen Biberburgen untersucht und teilweise mehrere geräumige Wohnräume übereinander gefunden. Da die Biber kaum mehrstöckig wohnen, kann es sich nur darum handeln, daß mit steigendem Wasserspiegel höhergelegene Quartiere angebaut werden mußten.

Damit die Eingänge ihrer Burg stets mit Sicherheit unter Wasser sind, greifen die Biber zu einer erstaunlichen Technik. Sie stauen das Wasser durch Dämme auf. Das ist zweifellos eine Instinkthandlung: Das Wasser ist ihr Element und bietet ihnen den größten Schutz. Die Art aber, wie sie diese Dämme anlegen, verrät großes Geschick. Die Dämme sind bautechnische Kunstwerke erster Garnitur. Ich habe in Kanada Dämme aus Ästen und Schlamm gesehen, die mehrere Meter breit und hoch und einige hundert Meter lang waren. Zum Teil trugen sie Bäume, Buschwerk und Spazierwege. Jedermann hätte sie für Menschenwerk gehalten. Aber nein - hier waren Biber am Werk, zum Teil schon seit Jahrzehnten. Big Joe Rattle, ein alter Indianer in Ontario, der sein Brot als Fremdenführer verdient, hat die Konstruktionen von Biberdämmen, die er entdeckt hatte, nachgezeichnet. Die Vielfalt der Systeme ist erstaunlich. Da waren Äste senkrecht in den Schlick gesteckt und durch Flechtwerk verbunden, da waren schwache Stellen durch schräggestellte Stützen gesichert, da hatten die Tiere Bäume an den Ufern als Widerlager für ihre Konstruktionen benutzt. Die Biber wenden echte Ingenieurskunstgriffe an, um ihre Anlagen gegen den Wasserdruck zu verstärken.

Ein Teil dieser Fertigkeiten ist Bibern in die Wiege gelegt. Das weiß man von Tieren, die - ohne Kontakt mit anderen Bibern aufgewachsen - ebenfalls Dämme und Burgen bauten. Ein Teil wird regelrecht "gelehrt" - Vater und Mutter geben ihre Tricks an die Kinder weiter, die unter ihrer Aufsicht arbeiten. Viele Methoden erarbeitet sich ein Biber im Lauf seines Lebens, indem er aus Erfahrung lernt. Darüber hinaus aber scheinen die Tiere auch so etwas wie echte ingeniöse Intuition zu besitzen, die sie mit neuen, nie erlebten Situationen fertig werden läßt. Das Gehirn der Biber ist für Nagetiere erstaunlich gut entwickelt.

Der Zoologe Robert Froman berichtet von einem Experiment, das damit begann, daß man mutwillig ein ansehnliches Loch in einen Biberdamm machte. Sofort gingen drei Jungtiere daran, den Schaden zu beheben. Weil sich die Aufgabe als zu schwer für sie erwies, schwamm eines von ihnen fort und kehrte mit einem ausgewachsenen Biber zurück. Der Alte tauchte auf den Grund des Teichs, kam mit einem dicken Stein hoch, schob ihn in das Loch und hielt ihn dort fest, bis die drei jungen ihn mit nasser Erde eingemauert hatten.