Die Einödbauern wissen es besser

Die Gefahren von außen sind an sich schon groß genug.

Lemming
Lemming

Die natürlichen Feinde der Lemminge, die Sumpfohreule und der Rauhfußbussard, die Spatelraubmöwe, Hermelin und Eisfuchs, sind in diesen "Lemmingjahren" viel zahlreicher als sonst. Die räumen auf. Und der kleine und harmlose, schwache Lemming stellt sich ihnen, schlägt zurück, beißt zurück. Rauflustig faucht er den Postbus an. Er ist in höchster Erregung. Er ist aufgebrochen - und das ist jetzt Fiktion, aber kann man's anders deutlich machen? - um einen Platz zu finden ganz ohne andere Lemminge, einen Platz für sich allein, das Paradies für einen Lemming...

Irgendwann kommt der dezimierte Zug an die Küste. Die Tiere steigen ins Meer. Sie stürzen sich nicht blind über die Klippen, bewusst, "todessehnsüchtig". Sie gehen ins Wasser. In Vesteralen/Nordland hat man sie über den fünf Kilometer breiten Sund zwischen den Inseln Hinno und Lango schwimmen sehen. Kapitäne von Küstenschiffen berichten - glaubhaft -, sie seien eine geschlagene Viertelstunde durch einen Teppich schwimmender Lemminge gefahren, "und soweit man von der Brücke aus sehen konnte, war die See bedeckt von lebenden und toten Lemmingen".

Das ist dann das Ende.

Und die Zurückgebliebenen haben für drei, vier Jahre die Weite und die Einsamkeit des Fjell für sich. Das Paradies, das die anderen suchten. Aber noch im selben Jahr fängt alles wieder von vorne an...

Und dies noch: Die Einödbauern glauben den Biologen kein Wort über die Lemminge. Sie wissen es besser: Lemminge sind ein Zeichen. Ein Menetekel. Wie Kometenschwärme, Schmetterlingsinvasionen. Wenn die Lemminge wandern, heißt das: Im nächsten Jahr gibt's Krieg. Ja-ha. Die größten Lemmingwanderungen waren 1913 und 1938.