Die Wächter pfeifen, wenn Gefahr droht

Das Sprichwort, das von einem tiefen Schläfer behauptet, er schlummere wie ein Murmeltier, wird dem zoologischen Tatbestand noch längst nicht gerecht.

Murmeltier

Desto aufgeweckter sind Murmeltiere den Sommer über. Sie sind so wachsam und vorsichtig, daß sie sich gegenseitig durch schrille Pfiffe (die Bergwanderer in den Alpen häufig zu hören bekommen) vor Gefahren warnen und wie der Blitz verschwinden, wenn man sich ihnen nähert.

Aber eben diese Vorsicht der Murmeltiere war der Grund, daß über ihr Privatleben, das sich - zumindest, was die Familienpflege betrifft - unterirdisch abspielt, bis vor etwa 50 Jahren so gut wie nichts bekannt war.

Einen Zoologen, der fast in Nachbarschaft mit Murmeltieren wohnt, muß es grämen, so wenig über seine Anrainer zu wissen.

Darum legte der Innsbrucker Hans Psenner in einer Böschung an der Terrasse seines Privathauses einen künstlichen Murmeltierbau an, zäunte ein Gehege ein und machte ein Murmelpärchen dort heimisch, um es zu beobachten. Die Schlafkammer im Bau versah er listigerweise mit einem Deckel: Wann er wollte, konnte er Murmeltiers in die Wohnung gucken.

Das Verfahren hatte Nachteile. Es war unbequem - für die Tiere ebenso wie für den Forscher. Und bei Regen konnte man nicht beobachten, ohne daß die gute Stube naß wurde. Immerhin aber fühlten sich die Tiere so wohl, daß sie Kinder bekamen.

Psenner baute zwei neue Murmeltier-Behausungen, die unmittelbar an eine geräumige unterirdische Kammer grenzten. In diese Kammer konnte man mit einer Leiter einsteigen, um von dort aus durchs Fenster die Wohnhöhlen der Murmeltiere zu beobachten. Die Bauten konnten von oben her beleuchtet werden, so daß sogar Foto- und Filmaufnahmen möglich waren.

Die Murmeltiere gewöhnten sich schnell daran, beobachtet und beleuchtet zu werden. Sie reagierten friedlich - außer, zuweilen, wenn sie Junge hatten.