In Massen wird der Schaden groß

Ziesel lieben die Geselligkeit, doch nicht zu enge Tuchfühlung. Jedes Tier, ob Männchen oder Weibchen, gräbt sich ein unterirdisches Eigenheim.

Ziesel

Der Gang, der meist gewunden und ziemlich flach unter der Erdoberfläche verläuft, verzweigt sich mehrfach. Eineinhalb bis zwei Meter tief liegt der fast kugelige Wohnbau von rund 30 Zentimeter Durchmesser, der mollig mit getrockneten Gräsern ausgepolstert ist und äußerst rein gehalten wird. Der Gang zur Außenwelt wird vor dem Winterschlaf zugestopft. Vorsorglich wird sogleich auch ein neuer Gang bis dicht unter die Oberfläche vorgetrieben, die dann im Frühling nur noch durchstoßen werden muß. Außer dem Hauptkessel gibt es in dem fünf bis sieben Meter langen Bau noch einige Kammern, wo die Wintervorräte gesammelt werden; hauptsächlich Getreide, auch andere Sämereien sowie Grashalme.

Der lange Winterschlaf dauert von den ersten Frostnächten im Oktober bis etwa Anfang April. Gefährlich ist für den Ziesel ein nasses Frühjahr. Regengüsse und Überschwemmungen ertränken die Alten samt ihrer Nachkommenschaft. Milde Winter und regenarmes Frühjahr bedeuten einen zieselreichen Sommer.

Das ist zwar erfreulich für die vielen Tiere, die vom Ziesel leben, doch ärgerlich für den Landmann. Wo Ziesel in Massen gedeihen, wird der Schaden erheblich. Außer Kräutern und Wurzeln fressen sie Getreide und Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse. Aber sie sind keine reinen Vegetarier. Mäuse fressen sie gern, was der Mensch als nützlich empfindet, aber sie räubern auch Eier und Jungvögel der Bodenbrüter.

Das haben wir einmal selbst beobachten können. Von weitem fiel uns ein Kiebitzpaar auf , das aufgeregt schreiend über einer Stelle kreiste und immer wieder nach unten stieß. Wir gingen vorsichtig näher und entdeckten schließlich ein Kiebitzgelege mit drei gerade geschlüpften Jungen. Die Altvögel strichen ab. Wir legten uns in eine flache Bodenmulde auf Lauer und hatten Glück: Bald erschien ein Ziesel mit raublustig blitzenden Augen. Für dieses Mal haben wir ihn vertrieben, weil wir nicht mit ansehen wollten, wie er die pechschwarzen Federbällchen zerrupfte. Aber sicher hat er sich später seinen Teil geholt.

Der Mensch hat dem Ziesel immer schon mit Schlingen und Fallen nach dem Leben getrachtet. Einmal wegen des Schadens, den er anrichtet. Doch auch sein Fell war hier in Ungarn begehrt - ein leichtes, plüschiges Pelzchen, so richtig zum Füttern von Winterjacken. Man schätzte auch sein würziges Fleisch. Die Hirten draußen auf der Puszta fangen sich noch heute Ziesel und schmoren daraus im Kessel ein kräftiges Pörkölt. Leider habe ich es noch nicht probieren können. Wenn Hasenragout lecker ist, sollte es Zieselragout auch sein, nur noch zarter im Fleisch.

Das Fett, das der Ziesel sich im Herbst angemästet hat, wird auch als Salbe benutzt. Es soll kein besseres Heilmittel geben, wenn sich Hirtenhunde die Pfoten wundgelaufen haben.

Ziesel sind ein familienbewußtes Völkchen, wenn auch nicht so gebärfreudig wie Mäuse oder Kaninchen. Ihr harmonisches Familienleben entwickelt sich unterirdisch. Ende April oder Anfang Mai wirft die Zieselin nach 25- bis 30tägiger Tragzeit ihre drei bis acht Jungen. Diese sind nackt, blind und hilflos, wachsen jedoch erstaunlich schnell heran. Nach einem Monat sind sie schon prächtig entwickelt und halb so groß wie die Alten, im Herbst sind sie ausgewachsen. Während des Sommers lebt die Familie friedlich und fröhlich zusammen, im Herbst aber machen sich die Jungen selbständig. Sie bauen ihre eigene Höhle und tragen Wintervorräte zusammen. Im nächsten Frühjahr sind sie geschlechtsreif und schreiten zur eigenen Familiengründung.