Der Dingo frisst vor allem Kanichnen

Der Verhaltensforscher Laurie Corbett hat zehn Jahre lang die Dingos studiert - ihre Lebensgewohnheiten, ihren Speisezettel.

Bei Tausenden von erlegten Dingos untersuchte er den Mageninhalt. Das Ergebnis? Kaninchen! Man kann als erwiesen annehmen, daß der Dingo überwiegend ein Kleinwildfresser ist.

Früher ernährten sich die Dingos vor allem von Ratten und kleinen Känguruhs. Dann bejagten die Farmer die Känguruhs, weil diese ihnen die Weiden kahlfraßen. Die Dingos kamen in Schwierigkeiten. Dann aber breiteten sich sich 1859 in Australien die Kaninchen aus. 24 dieser lieben Tiere kamen aus England herüber. Heute haben sie überhand genommen und sind der Hauptfeind der Herden: Sie fressen das Gras weg, lockern das Erdreich auf und zerstören die Wurzeln. Die Kaninchenplage ist für das Land ein Problem ersten Ranges.

Heutzutage lebt der Dingo vor allem von diesen Kaninchen, und eigentlich könnten ihm die Züchter gar nicht dankbar genug sein. Laurie Corbett hat eindeutig nachgewiesen, daß sich der Kaninchenbestand in den Jahren intensiver Dingoverfolgung vergrößerte und sich damit die Nahrungssituation der Herden rapid verschlechterte.

Im australischen Hochsommer, also in der europäischen Weihnachtszeit, gerät der Dingo allerdings jedes Jahr in eine akute Notlage. In dieser Zeit trocknen die Flußläufe aus, und das Gras verdorrt; die Kaninchen verdursten und verhungern. Die Dingos wagen sich dann, um zu überleben, an die großen, frei umherziehenden Herden. Doch sind sie vorsichtig genug, zuerst immer die von den Herden zurückgelassenen Kadaver der in der Hitze verendeten Tiere zu fressen. Tausende von Herdentieren sterben jährlich auf diese Art - weit mehr, als sämtliche Dingos erbeuten könnten.

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