Wachtmeister

Adel? Intelligenz? Zuverlässigkeit? Schäferhunde werden meist falsch eingeschätzt. Und oft falsch behandelt. Sie sind um kein Hundehaar besser als jeder andere treue Freund.

Schäferhund
Schäferhund

Er ist der Deutschen liebster Hund. Der Mann war gut beraten, der sich - schon lange, bevor er in Amt und Macht kam - gern mit einem Schäferhund zeigte und mit ihm fotografieren ließ. Zwar hat der damalige Bundespräsident Scheel  in Verbindung mit Richard Wagner darauf hingewiesen, man dürfe es dem Komponisten und den Schäferhunden nicht anlasten, daß jener Mann, der Hitler hieß, sie beide über alles schätzte. Dennoch: Der Hund war symptomatisch.

Aber natürlich steckt nicht hinter jedem Schäferhundbesitzer ein kleiner Diktator. Ich hoffe das jedenfalls. Denn ich selbst habe seit einer Reihe von Jahren einen Schäferhund, übrigens bereits den zweiten. Was mich, glaube ich, legitimiert, über Schäferhunde in aller Offenheit zu schreiben, ohne daß ich mich verdächtig mache, ihnen etwas auswischen zu wollen. Josephine, unsere Schäferhündin, ist zum Glück des Lesens nicht kundig, so daß sie - in dem dieser Rasse eigentümlichen Hang zu "law und order" ihrem Herrn die ketzerischen Bemerkungen nicht untersagen kann.

Jeder Schäferhund trägt - unsichtbar, aber unverkennbar - den Tschako des Ordnungsschützers. Mit dem Auftrag als Schafshüter ist ihm die Neigung (oder der Instinkt) geblieben, auf seine Weise für Ordnung zu sorgen. Das macht ihn zu einem prächtigen Wächter, der seine Umwelt zu beschützen weiß - und sei es nur, indem er mit lautem und anhaltendem Gebell die Grundstücksgrenze entlangpirscht: "Bis hierher, Leute, aber nicht weiter!"

Dazu muß der Schäferhund nicht abgerichtet sein. Das sitzt in ihm. Das gibt ihm Wichtigkeit und Würde.