Im Freiland-Terrarium

Junge Zierschildkröten wachsen langsam. Das ist zu einem Teil artbedingt, hängt aber auch mit den Klimaverhältnissen zusammen.

Die eigentliche Wachstumszeit ist der in Kanada nur kurze Sommer. Während der langen kalten Jahreszeit fallen die Tiere in Winterstarre. Dabei wachsen sie nicht.

Wir hatten im Lager ein großes Freiland-Terrarium angelegt, in dem sich auch eine junge Zierschildkröte befand, die den Namen Elvira bekommen hatte. Als Elvira eingesetzt wurde, war sie etwa doppelt so groß wie ein Fünfmarkstück. Zwei Jahre später hatte sie trotz guter Fütterung nur wenig an Größe zugenommen.

Zierschildkröten ernähren sich im wesentlichen von (meist toten) Fischen, von Wasserinsekten und deren Larven sowie von Algen und Teilen von Wasserpflanzen. Die Kiefer der Tiere tragen keine Zähne, sondern scharfe Hornleisten. Damit schneiden sie mit Hilfe der Vorderfüße, die kräftige Krallen tragen, Stücke aus ihrer Nahrung heraus und schlucken sie ohne weiteres Zerkleinern hinunter. Zierschildkröten müssen einen Retortenmagen mit sehr scharfen Verdauungssäften haben, durch die die Nahrungsbrocken aufgeschlossen werden. Eine gewisse Zerkleinerung erfolgt allerdings auch mit Hilfe von Steinchen, die die Tiere in ihren Magen aufnehmen. Von Vögeln kennt man das ja ebenfalls.

In Gefangenschaft kann man Zierschildkröten recht abwechslungsreich mit Würmern, rohem Fisch, magerem rohem Fleisch, Wasserschnecken, Tomaten, Salat und anderen grünen Pflanzenteilen ernähren. Am liebsten fressen sie Fisch und Fleisch. Elvira zum Beispiel war ganz verrückt nach Regenwürmern - vielleicht, weil sie viel Kalk enthalten. Wenn man mit einem Wurm an das Terrarium trat und ihn einige Zentimeter über dem Boden hin und her schwenkte, kam sie bald mit hurtigen Schrittchen angetrippelt, um ihn in Empfang zu nehmen. Das wäre nichts Besonderes gewesen, wenn man ihr den Wurm aus geringer Entfernung vor die Nase gehalten hätte. Oft war die kleine Schildkröte jedoch gar nicht zu sehen. Man ließ den Wurm sozusagen auf Verdacht baumeln. Aber auch dann kam sie angelaufen - meist von einem ihrer Sonnenplätze, der häufig mehrere Meter entfernt war. Sie muß die Situation ("Mann kommt, hat Wurm") also mit den Augen, möglicherweise auch mit der Nase - beide Sinnesorgane sind bei Schildkröten gut ausgebildet - klar erfaßt haben.

Da wir im Lager viel Zeit hatten, versuchten wir Elvira und einige größere Artgenossinnen im Terrarium auf akustische Signale ("Mann pfeift, bringt Futter") zu dressieren. Dazu erhielten die Tiere außer der obligaten Fütterung zu täglich wechselnden Zeiten eine zusätzliche Ration. Dabei wurde jeweils zweimal mit einer Trillerpfeife gepfiffen.