Warum blieben die Waldkäuze nicht im Wald?

Aber was haben denn nun die Käuze mitten in der Nacht auf dem Friedhof verloren, wo sich kein Christenmensch hintrauen würde?

Kauz
Kauz

Die Frage ist einfach zu beantworten: Der Friedhof und der Stadtpark sind die einzigen ruhigen Plätze in den Stadtlandschaften und als Eulentreff wie geschaffen. Ferner gibt's dort Mäuse, und um die Laternen schwirren Nachtschmetterlinge, gaukeln Fledermäuse; alles angenehme Zutaten zum Eulennachtmahl.

Warum die Waldkäuze nicht im Wald geblieben, sondern auf die Kirchtürme der Dörfer und Städte gezogen sind, um dort ihre Kinder großzuziehen, hat zweierlei Gründe. Erstens haben sich die Waldkäuze so vermehrt, daß sie - schon der Nahrung wegen - neue Wohngebiete suchen mußten. Zum zweiten: Der Waldkauz tut's dem Weißstorch nach; er arrangiert sich mit der Zivilisation und erweist sich damit einen großen Dienst für die Zukunft: Waldkäuze geben sich so clever und anpassungsfähig, daß sie ohne Zweifel jene Eulenart sind, die nahezu ungefährdet überleben wird.

 

Rundköpfig, kulleräugig und federweich

Wollen Sie mit einem Waldkauz in nähere Beziehungen treten, so brauchen Sie ihn nur zu rufen. Er antwortet in den Monaten Februar und März mit Sicherheit dem vermeintlichen Konkurrenten. Doch auch im späten Frühjahr und im Herbst kann man ihn zuweilen hören.

Also: Legen Sie die Hände so zusammen, wie Sie früher als Kind den Kuckucksruf nachgeahmt haben. Man schließt die Kanten der Handflächen dicht aneinander und bläst in den kleinen Schlitz zwischen den senkrecht stehenden Daumen. Um das richtige Kauztremolo herauszukriegen, muß man die Lippen zittern lassen. Versuchen Sie's mal! Wenn Ihnen nicht der heulende Ruf des Männchens antwortet, sondern ein gellendes "Kuwitt!", dann haben Sie die Käuzin zum Liebesgeflüster animiert.

Wenn das von Professor Konrad Lorenz erfundene "Kindchen-Schema" stimmt, wonach der Mensch alle jene Tiere besonders mag, die rundköpfig und großäugig dem Menschenbaby ähneln, dann müßten eigentlich der Waldkauz und seine Kauzverwandten lieb Kind bei allen Tierfreunden sein.

Käuze sind rundköpfig wie Katzen, haben große Kulleraugen (die sich in den Augenhöhlen fast zu Tischtennisbällen vergrößern) und weiches Gefieder. Mit den Greifvögeln (also etwa einem Falken oder Bussard) sind sie nicht verwandt, eher stehen sie den Nachtschwalben nahe.