Kolibris sind gar nicht bunt

Kolibris sind liebenswürdige, bunte Vögelchen, friedlich und verspielt. Sie leben vom Nektar tropischer Blüten, schwirren funkelnd durch den Tag und sind, alles in allem, ein Symbol südlichen Charmes.

Oder?

Kolibri
Kolibri

Die moderne zoologische Forschung sieht es so: Kolibris sind ungesellig, zänkisch und angriffslustig. Das Familienleben verachten sie und aus Honig machen sie sich weit weniger als aus frischem Fleisch. Viele Kolibris sind nicht einmal bunt! Das ist nur eine optische Täuschung.

Ohne Licht funkelt nichts

Der erste Kolibri, dem man begegnete, ist wahrscheinlich eine Enttäuschung. Auf einen "fliegenden Edelstein" ist man vorbereitet. Auf ein Geschöpf, das beständig in allen Regenbogenfarben funkelt. Und was sieht man? Nichts.

Nichts Besonderes zumindest: Eine Art großes Insekt, schwärzlich-braun, das summend von Blüte zu Blüte huscht.

Und doch: Es ist ein Kolibri. Allerdings ein Weibchen, und die sind bei den Vögeln im allgemeinen bescheidener angezogen als die Herren. Bei vielen Arten von Kolibris halten sich die Damen modisch ebenfalls zurück. Doch auch die männlichen Kolibris schillern nicht unaufhörlich vor sich hin. Sie brauchen Licht dazu, das günstig aufs Gefieder fällt. Dann allerdings leuchten und schimmern sie wie ein ganzes Diamantkollier.

Denn die Kolibris sind - und darin gleichen sie dem Diamant durchaus - von Natur aus nicht bunt. Die Grundfarben ihres Gefieders sind Schwarz und Braun. Das farbige Schillern kommt erst dadurch zustande, daß die Lichtstrahlen von den eigentümlich zusammengesetzten Hornschichten der Federn zurückgespiegelt und dabei in die Regenbogenfarben zerlegt werden. Daß die Kolibris so klein und flink sind, macht das Gefunkel noch faszinierender.