Operation geglückt

Was wir mit Odysseus erlebten, ist gewiß nicht die Norm.

Aber zum Thema der Überraschungen, die man mit Pfauen erleben kann, gehört auch so etwas. Geblendet durch die tiefstehende Sonne steuerte Odysseus eines Abends seinen schweren Körper mit Schwung gegen eine scharfe Dachkante. Nach dem Sturz hinkte er so stark, daß wir am nächsten Tag den Tierarzt holten. Der stellte nach dem Einfangen fest, daß die rechte Seite von Odysseus so ähnlich abgetrennt war wie bei einer tranchierten Gans, wenn der unziemliche Vergleich gestattet ist. Der Veterinär zuckte mit den Achseln. Ob er das überleben würde? Gleichwohl - der Doktor tat sein Bestes. Die Operation, das Zusammennähen der abgetrennten Haut- und Fleischlappen, dauerte anderthalb Stunden. Eine Blinddarmoperation ist ein Klacks dagegen. Wir hielten den Daumen, daß keine Sepsis eintreten möge. In einer kleinen Kiste, die ihm das Fliegen verbot, verbrachte Odysseus die nächsten zwölf Tage. Penelope, die uns für die Mörder ihres Mannes hielt, von dem sie nichts nicht sah und hörte (er gab nach dem Unfall keinen Laut mehr von sich), schenkte uns keinen Blick. Als - nach dem Ziehen der Fäden - beide wieder zusammentrafen, war die Freude herzlich. Wir aber sind so froh, Odysseus zum Leben und unserem Hof wiedergeschenkt zu sehen, daß wir beide Augen zudrücken, wenn wir entdecken, daß er mal wieder Stiefmütterchen oder Hyazinthen zum Dessert nimmt.

Pfau

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