Sechzig Tage ohne einen Bissen Nahrung

Ein gutes Maß für den Energieverbrauch ist die Aufnahme von Sauerstoff und Stickstoff und die Abgabe von Kohlendioxid.

Deshalb werden die Atemvorgänge kontrolliert: Man setzt dem Pinguin die kleine Atemmaske auf, von der ich zu Beginn schrieb, und sperrt ihn in den Kühlschrank, wo er angenehm heimatliche Bedingungen vorfindet. Empfindliche Geräte halten genau fest, wieviel Sauerstoff und Stickstoff von ihm eingeatmet werden und wieviel Kohlendioxid er ausatmet.

Dann setzt man ihn auf eine Tretmühle, wo er tapfer marschieren muß - kilometerweit. Einem Kaiserpinguin macht das nicht viel aus. Er ist es gewohnt. Denn er steht nicht nur alljährlich mehr als 60 Tage ohne einen Bissen Nahrung brütend über seinem Ei, das er auf dem Fußrücken trägt. Er tut das auch noch im kältesten Winter, denn bei dieser langen Brutzeit ist er darauf angewiesen, in der kältesten Jahreszeit damit zu beginnen - nur dann können seine jungen im Sommer heranwachsen. (Königspinguine machen's anders. Sie brüten auch lange, aber im milden Sommer - und die Küken bleiben während des anschließenden Winters daheim im relativ warmen "Nest", das aus einer Falte der elterlichen Bauchhaut besteht. Freilich gibt es bei den Königspinguinen drum nur alle zwei Jahre Nachwuchs.) Der Kaiserpinguin brütet also bei vierzig Grad minus und muß dabei noch so viel Wärme entwickeln, daß sein junges heranreifen und ausschlüpfen kann. Während dieser Zeit nimmt er keine Nahrung zu sich und lebt nur von seinem Körperfett. Nachdem die mehr als zwei Monate Brutzeit um sind, übernimmt das Weibchen die Aufzucht des jungen. Das Männchen wandert an die Küste, wo es in wenigen Wochen sein altes Körpergewicht wieder erreicht.

Wenn die Jungen etwas herangewachsen sind, marschieren die Weibchen mit dem Nachwuchs schnurstracks bis ans offene Meer. Das ist ein Weg, der sechzig Kilometer oder noch viel länger sein kann, wenn während des Brutgeschäfts die Eisdecke weit hinausgewachsen ist.

Kaiserpinguine
Eine Kolonie von brütenden Kaiserpinguinen (Abtenodytes forsteri) in der Antarktis. Zu Tausenden, manchmal zu Millionen drängen sich die Vögel zusammen. Wenn sie eng beisammen stehen, wärmen sie sich gegenseitig. Bei diesen Pinguinen, die während des Brutgeschäfts Temperaturen bis zu minus 40 Grad ertragen müssen, ist die natürliche Wärmeisolierung perfekt. Über einer dicken Fettschicht - beim Kaiser-Pinguin erreicht sie oft ein Drittel des Körpergewichts - breitet sich ein dichtes Federkleid. Bei Eselspinguinen (Pygonscalis papua), hat man auf einer Fläche von fünf mal fünf Zentimetern 1200 Federn gezählt. Das Problem, daß Pinguine erfrieren könnten, ist gering. Problematischer sind warme Temperaturen. Um dann Hitzeschäden zu verhindern, wird die Fettschicht stärker durchblutet. Außerdem können Pinguine ihre Federn etwas anheben, um Luft an die Haut zu lassen.

Pinguin