Sicher ist nur, wer sich zu Boden wirft

In Südafrika kennt man drei Methoden, um sich gegen einen angreifenden Strauß zu schützen - aber nur von einer weiß ich, dass sie wirklich wirkt.

Strauss
Straußenbrut
Eine Straußenbrut umfasst meist nur zehn bis zwölf Junge. Das Nest oben enthält ein Gemeinschaftsgelege mehrerer Hennen. Die Eier sind 75 bis 20 Zentimeter lang und etwa anderthalb Kilo schwer. Sie haben eine porzellanharte Schale.

Die erste, höchst zweifelhafte: Man wedelt einem angreifenden Strauß mit einem Zweig vor dem Kopf herum. Das Tier klemmt die Augen zu - und bis es sie wieder öffnet, ist es Hunderte von Metern weitergerannt. Das klingt hervorragend, aber ich kenne niemanden, der einem daherrennenden Strauß effektvoll vor den Augen zu wedeln vermag.

Die zweite Methode besteht darin, dem Strauß einen gabelförmigen Stock so an den Hals zu drücken, dass einen die tretenden Füße nicht erreichen. Ob sie auch im Ernstfall wirkt, kann ich nicht beurteilen.

Die dritte hingegen bewährt sich: Man wirft sich flach auf den Boden und verbirgt das Gesicht in den Armen. Nach unten kann der Strauß nämlich nicht treten. Er kann sich höchstens auf einen setzen (was bei seinen drei Zentnern Gewicht auch nicht das Angenehmste ist), und er kann mit dem Schnabel schlagen, sobald man sich bewegt.

Der Amerikaner Jan Juta berichtet von einem Erlebnis aus seiner Kindheit: Mit zehn Jahren wollte er eine brütende Straußenhenne beobachten und vergaß dabei, auf den Straußenhahn zu achten, der sich als Wächter in der Gegend herumtrieb und prompt angriff. Der kleine Jan warf sich zu Boden, und das rettete ihn - aber er musste volle sechs Stunden fast leblos liegen; sobald er sich rührte, hackte der Strauß nach ihm. Die Qual ging erst zu Ende, als der Straußenhahn am Abend, seinem Instinkt folgend, zu seiner Frau stolzierte, um sie beim Brutgeschäft abzulösen.

Strauße, sagt man, seien eitel, aufsässig und dumm. Woher die ersten beiden Behauptungen rühren, weiß ich nicht; die dritte ist ein biblisches Vorurteil. Im Buch Hiob (39. Kapitel, Vers 17) steht: "Denn Gott hat ihm die Weisheit genommen und hat ihm keinen Verstand zugeteilt."

Südamerikanischer Darwinstrauß (Pterocnemia pennata)

Ich hatte es in meinem Leben schon mit vielen Vögeln zu tun, aber ich kann nicht behaupten, dass der Strauß dümmer sei als der Spatz, der Habicht oder der Kanarienvogel. Und wer da behauptet, er sei hässlicher, der kennt die jungen Straußenvögel nicht: die Küken sind ungemein hübsch, haben einen samtweichen Hals und blicken mit sanften, feuchten und langbewimperten Augen drein - wie Filmstars.