Vorbote des Todes

Der Name Ziegenmelker geht auf Aristoteles zurück.

Der alte Grieche behauptete im vierten vorchristlichen Jahrhundert, dieser Vogel sauge die Euter der Ziegen leer, was diese alsbald abmagern ließe. Der Römer Plinius meinte vierhundert Jahre später sogar, die Ziegen würden dadurch blind.

Nun, in England wird der Gesang des Ziegenmelkers bei den Leuten vom Land noch heute als schlechtes Omen gefürchtet - als Vorbote des Todes. Ziegenmelker sind - so heißt es - die Seelen ungetaufter Kinder, dazu verdammt, für immer und ewig ruhelos herumzustreifen. Auch Indianer glauben Ziegenmelker seien die Seelen von Verstorbenen.

In Wirklichkeit ist der Ziegenmelker etwa so bösartig wie ein Schmetterling. Sein weiches graues Gefieder ist eine vorzügliche Tarnung; es verschmilzt mit der Dämmerung, wird unsichtbar, gleicht einem Zweig oder einem Stückchen Baumrinde. Da sitzt der Vogel oft still und unbeweglich - aber aufs äußerste Wachsam.

Ziegenmelker überwintern in Afrika. Mitte Mai kommen sie zurück. Mit unheimlicher Sicherheit treffen sie auf den Meter genau bei ihren Lieblingsnistplätzen in der Heide und an den Waldrändern ein.

Zwischen Ende Mai und Juli legen sie ohne Nest zwei längliche weißliche Eier, die braun oder grau marmoriert und gefleckt sind.

Ziegenmelker - Jungvogel
Ziegenmelker - Jungvogel