Selbstbewußt und ausgeglichen

Der schwerste Gorilla-Mann in der Gefangenschaft wog etwas mehr als fünf Zentner. Davon war ein Gutteil Muskeln. Wie sollte ein Mensch solch einem Kraftprotz gewachsen sein?

Es gibt auch kein Tier, das dem Gorilla gewachsen ist. Deshalb kann er sich eine recht gemächliche Lebensweise vor allem auf dem Waldboden erlauben. Der erste gründliche Gorilla-Beobachter im Freien, der Amerikaner George B. Schaller, der vor 17 Jahren in den zentralafrikanischen Urwald zog, sagt heute, er habe niemals ein friedlicheres und entspannteres Tier gesehen als den Gorilla. Nur die Menschen und einzelne Leoparden seien seine Feinde - und auch die Leoparden erwischten nur junge und unvorsichtige Gorillas.

Gorilla

"Gorillas leben ganz in der Gegenwart. Sie nehmen das Leben hin, wie es ist, und scheinen mit ihrem Los durchaus zufrieden. Was sie für ihr Dasein brauchen, steht ihnen zur Verfügung: Nahrung, Nestbaumaterial, Gesellschaft, Geschlechtspartner. Um diese Dinge streitet man auch nicht", schreibt Schaller, leicht vermenschlichend. Denn schließlich kann kein Mensch genau wissen, was ein Tier empfindet. Schallers Eindruck, daß der Gorilla ein selbstbewußtes, friedliches und ausgeglichenes Lebewesen ist, haben jedoch inzwischen auch alle anderen Freilandbeobachter bestätigt.

Manchmal decken sich die Zoobeobachtungen erstaunlich mit denen im Freiland. Schaller und andere Beobachter haben zum Beispiel festgestellt, daß Gorillas allem Unbekannten im Revier zunächst einmal ausweichen. Und in allen Zoos war zu sehen, wie behutsam Gorillas sich benehmen, wenn sie ein neues Tierhaus oder einen neuen Außenkäfig bekommen. In den ersten Minuten bleiben die ranghöchsten Männchen immer zurück und lassen die halbwüchsigen Familienmitglieder oder besonders rangtiefe Weibchen vor, die dann fast spielerisch das Terrain erobern, auf das der Boß (noch) keinen Anspruch erhebt.

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