Großmaul

Piranha

Werden sie Menschen gefährlich oder nicht? Das ist die Frage.

Piranha

An blutrünstigen Gerüchten fehlt es nicht: Piranhas sollen innerhalb von Minuten Schwimmer mit Haut und Haaren aufgefressen haben. Die südamerikanischen Indianer haben so viel Respekt vor ihren Zähnen, dass manche Stämme die Scheren, die aus Europa eingeführt wurden, "Pirayas" nannten. Und in der argentinischen Stadt Formosa sei - so las man vor einiger Zeit in den Zeitungen - Militär aufgeboten worden, um die Piranhas zu bekämpfen, die am Strand die Badenden bedrohten.

Aber man hört auch immer wieder Berichte von Forschern, die in von Piranhas dichtbevölkerten südamerikanischen Gewässern ohne Scheu ins Wasser stiegen, um ihr Boot flott zu machen. Und es geschah ihnen nicht das Geringste.

Harald Schultz, der mehr als zwei Jahrzehnte das Leben der südamerikanischen Indianer studierte und sicherlich einer der seriösesten Fachleute auf diesem Gebiet ist. schrieb über die Gefährlichkeit der Piranhas eine bezeichnende Kurzgeschichte: "Als mein Vater erst fünfzehn Jahre alt war, floh er vor angreifenden Indianern in einem kleinen gebrechlichen Kanu. Das Boot kippte um, und er entkam schwimmend. Als er aber dem Wasser entstieg, war er nur noch ein Skelett."

Ernsthafter fügte Schultz hinzu: "In mehr als zwanzig Jahren habe ich niemals eine schmerzvolle Erfahrung mit diesen sehr gefürchteten Piranhas gemacht. Ich habe unter den vielen tausend Menschen, mit denen ich in Berührung kam. nur sieben getroffen, die durch Piranhas verletzt worden waren."

In einigen Gebieten des Orinoko-Deltas werden die Verstorbenen ins Wasser gehängt; Piranhas nagen die Leichen in kurzer Zeit bis aufs Skelett ab. Offenbar finden sie Menschen durchaus genießbar. Umgekehrt aber gilt das gleiche: Piranhas schmecken ebenfalls recht gut.