Zoologisches Stichwort

Stichling

Stichlinge

Stichlinge sind eine Familie (Gasterosteidae) kleiner, stachelbewehrter, gepanzerter Fische in der Ordnung der Stichlingsfische (Gasterosteiformes). Die einheimischen Stichlinge der Gattungen Gasterosteus und Pungitius gehören mit Minimallängen um 4 cm zu den kleinsten Fischen überhaupt. Sic haben eine typische langgestreckte Fischgestalt, mit einem sehr dünnen Schwanzstiel. Die Rückenflosse ist sehr weit zurückverlegt, über die Afterflosse, und vor der Rückenflosse stehen - je nach Art - mehrere bis viele bewegliche Stacheln. Diese können durch Sperrgelenke in aufgerichteter Stellung fest eingerastet werden. Auch vor den rückgebildeten Bauchflossen und der Afterflosse befinden sich solche Stacheln. Die üblichen Fischschuppen fehlen den Stichlingen; dafür sind ihre Körperseiten teilweise mit Knochenplatten gepanzert. Bestachelung und Panzerung sind aber kein absoluter Schutz; manchen Raubfischen, wie Hecht, Aal, und auch Seeschwalben fallen Stichlinge zum Opfer. Sie selbst sind sehr gefräßige Klein-Raubfische: Fischlaich und Fischbrut, Kleinkrebse, Insektenlarven und Würmer aller Art bilden ihre Beute.

Besonders bekannt geworden sind die Stichlinge durch ihre Brutpflege. Sie wird allein vom Männchen ausgeübt. Beim Dreistachligen Stichling (Gasterosteus aculeatus), der auf der Nordhemisphäre entlang den meisten Meeresküsten sowohl im Meer als auch im Süßwasser vorkommt, nimmt die Fortpflanzung folgenden Verlauf: Das paarungsbereite Männchen bekommt ein buntes "Hochzeitskleid" mit orangeroter Unter- und blaugrüner Oberseite. Es wedelt an einem ausgesuchten Laichplatz eine Vertiefung mit den Brustflossen in den Boden und baut darin aus Pflanzenstoffen ein Nest. Die Bauteile werden gut zusammengefügt und durch ein klebriges Nierensekret fest verbunden. Dann umwirbt das Stichlingsmännchen tanzend ein Weibchen und führt es in sein Nest, wo es durch Schnauzenstöße gegen den Bauch zum Ablaichen veranlasst wird. Das kann noch mit weiteren Weibchen wiederholt werden, bis das Nest (gelegentlich mit mehreren hundert Eiern) gefüllt ist. Dann vollzieht das Männchen die Befruchtung der Eier. Von nun an vertreibt das Männchen alle Weibchen und andere Männchen und fächelt mit seinen Brustflossen laufend frisches Wasser in das Nest.

Nach 6-10 gutbewachten Tagen schlüpft die Stichlingsbrut, bleibt aber noch im Nest, bis der Dottervorrat im Dottersack aufgebraucht ist. Dann verlassen die Jungen immer öfter und länger das Nest, in das der Vater sie immer wieder zurückzubringen versucht. Dazu nimmt er sie ins Maul und spuckt sie ins Nest hinein. Wenn die Jungstichlinge herangewachsen sind, beendet der Vater die Brutpflege. Alle geschilderten Abläufe der Paarung und Brutpflege sind streng instinktgebundene Handlungen. Dabei löst eine Handlung des Männchens die nächste des Weibchens aus und umgekehrt weiter. Fehlt ein Glied in dieser "Instinktkette", so bricht der ganze Ablauf zusammen. Bei dem mehr ans Süßwasser gebundenen, höchstens bis ins Brackwasser gehenden Neunstachligen Stichling (Pungitius pungitius) verlaufen Paarung und Brutpflege ähnlich. Das Nest wird vom Männchen aber etwas über dem Boden gebaut und zwischen Pflanzenhalmen befestigt. Auch der an Meer- und Brackwasser gebundene Seestichling (Spinachia spinachia) verhält sich in Paarung und Brutpflege fast genauso.