Zoologisches Stichwort

Gemse

Gemsen

Gemse

Die Gemse (Rupicapra rupicapra) gehört zur Familie Rinder (Bovidae) in der Ordnung Paarhufer (Artiodactyla). Wenn sie auch den Ziegen ähnelt, so ist sie nur entfernt mit ihnen verwandt und steht den Antilopen und Schneeziegen näher. Auf dem Kopf tragen beide Geschlechter hakenförmig gebogene Hörner ("Krickeln"), die beim Bock eine stärkere Hakenbiegung haben als bei der Geiß. Im Sommerkleid sind die Tiere rötlichbraun mit schwarzem "Aalstrich" auf dem Rücken; im Winterkleid ist das gesamte Haarkleid schwärzlichbraun mit heller Gesichtszeichnung. Die Rückenhaare sind stark verlängert und aufrichtbar. Sie werden als "Gamsbart" bezeichnet und schmücken gebündelt die Hüte mancher Weidmänner. Auch zur bayerischen Volkstracht gehört der "Gamsbart".

Gemsen werden bis zu etwa 1,30 Meter lang, bei einer Widerristhöhe von 70 bis 80 Zentimeter. Böcke werden 30 bis 50 kg, Geißen 25 bis 42 kg schwer. Von Lautäußerungen ist der "Gamspfiff" am bekanntesten. Dieses scharfe Pfeifen hat eine Warnfunktion. Außerdem hört man meckernde Laute.

Die Gemse ist vor allem im Alpengebiet heimisch. Sonst findet man sie noch in den Pyrenäen und in Gebirgen Nordwestspaniens, auf der Balkanhalbinsel sowie in den Karpaten und in der Tatra. Im Schwarzwald, auf der südwestlichen Schwäbischen Alb und im Elbsandsteingebirge wurde sie erfolgreich eingebürgert. Auch auf Neuseeland wurde sie ausgesetzt. Natürliche Vorkommen gibt es noch im Kaukasus und in Kleinasien.

Gemsen bewohnen Bergwälder, felsiges Gelände im Hochgebirge sowie Matten, Latschenregionen und Geröllhänge. Wo sie nicht verfolgt werden, kommen Gemsen auch bis in die Täler herab, wohin manche in strengen Wintern ausweichen. Im Schwarzwald und im Allgäu leben Gemsen auch in der Waldregion. Gemsen sind überwiegend tagaktiv und leben meist in Rudeln. Alte Böcke sind Einzelgänger. Gemsen klettern und springen sehr gut. Die Brunftzeit ist im November/Dezember. Es kommt zu keiner Paarbindung, da die Tiere polygam sind. Die Böcke markieren zur Brunftzeit ihre Reviere mit einem aus Drüsen (Brunftfeigen) am Ansatz der Hörner stammenden Sekret, das durch Scheuern an Steinen und Ästen ausgeschieden wird. Rivalen kämpfen oft erbittert miteinander. Die Geiß wirft nach einer Tragzeit von 25 bis 27 Wochen ein bis zwei Kitze, die mit offenen Augen zur Welt kommen. Sie werden sechs Monate lang gesäugt und sind dann selbstständig. Mit zweieinhalb Jahren werden sie geschlechtsreif. Die Lebenserwartung beträgt 15 bis 20 Jahre.

Gemsen ernähren sich von Gräsern, verschiedenen Alpenpflanzen, Knospen, Moosen, Flechten, Zweigen, Rinden und Koniferennadeln.

Heutzutage schreibt sich die Gemse mit "ä" - Gämse. Wir verzichten darauf.