Manche Stuten bekommen ihre Fohlen draußen

Pusztapferd
Pusztapferd

Auf Hortobágy werden die Stuten so belegt, daß das Abfohlen zwischen Januar und März erfolgt, damit die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, wenn die gefürchtete "Kanikula", die große Sommerhitze, beginnt.

Stuten, die kurz vor dem Abfohlen sind, bleiben in der Regel im Stall. Doch ist es nichts Besonderes, wenn sie draußen fohlen. Gerade im vergangenen Frühjahr haben wir es wieder erlebt. Da war bei einer Stute unversehens schon die Fruchtblase herausgetreten; es war also zu spät, sie in den Stall zu bringen. Die anderen Tiere weideten ruhig weiter. Der Csikós und wir hielten uns in guter Entfernung von der fohlenden Stute. Sie machte durchaus keinen nervösen Eindruck, wendete uns aber den Kopf zu, um uns im Auge zu behalten. Ab und zu lief ein Zittern über ihren prallen Bauch. Nach einiger Zeit knickte sie leicht mit den Hinterbeinen ein, und das Fohlen rutschte ins Gras. Sofort drehte sich die Mutter um, beschnupperte ihr Kleines und begann es dann sorgfältig abzulecken.

Übrigens: Ob im Stall oder erst recht hier draußen, die Stute wird, wenn man sie gewähren läßt, immer die Nachgeburt beseitigen, indem sie sie auffrißt. Für das freie Steppentier wäre eine solche Hinterlassenschaft gefährlich: Die in Verwesung übergehende Masse zieht Raub- und Schmeißzeug an.

Vom Tage der Geburt an geht's bei jeder Witterung und zu jeder Jahreszeit nach draußen. Etwa vier Monate läuft das Fohlen mit der Mutter. Dann nach dem Absetzen werden die Junghengste und Jungstuten in getrennten Herden geweidet. Eine solche Freilandaufzucht bringt zwar nicht so glatte und runde Fohlen wie die Stallhaltung, dafür aber ungleich kräftigere und widerstandsfähigere, natürlich auch ungemein geländesichere Tiere hervor.