Kühles Blut

Eisfisch

Sie besitzen keine roten Blutkörperchen, und sie leben unterm Gefrierpunkt, ohne zu erstarren - Rätsel über Rätsel. Haben sie vielleicht ein Frostschutzmittel im Blut?

Eisfisch

Bis ums Jahr 1930 galten Eisfische als Geschöpfe, die wissenschaftlich gar nicht vorhanden waren. Walfänger, die aus antarktischen Gewässern zurückkamen, hatten wiederholt Erstaunliches berichtet; sie hätten Fische gesehen und sogar gefangen, die kein Blut gehabt hätten, nichts! Die Kiemen - sonst rosa - seien papierweiß, manche dieser schuppenlosen Geschöpfe seien milchig durchscheinend gewesen wie ein Stück Eis.

Namen hatten sie damit schon: "Blutlose Fische" oder "Eisfische". Aber die Zoologen zweifelten an ihrer Existenz. Bis dann nach 1930 wissenschaftliche Expeditionen am Rand der Antarktis tatsächlich solche Fische zu fassen bekamen und feststellen mussten: Kein Wort war übertrieben. Höchstens der Begriff "blutlos". Denn auch diese Fische haben Blut. Das wurde aber erst 1954 einwandfrei festgestellt, und zwar von dem norwegischen Forscher I. T. Rudt. Er fand heraus, dass dieses Blut dem Lebenssaft anderer Fische durchaus entspricht. Aber die roten Blutkörperchen fehlen.

Damit waren die Eisfische noch rätselhafter. Denn das Hämoglobin der roten Blutkörperchen - eine Eisen enthaltende Eiweißverbindung - ist in jedem höheren Organismus der Träger des Sauerstoffs: Es nimmt ihn in den Lungen oder Kiemen auf und transportiert ihn dorthin, wo er gebraucht wird. Wie die Eisfische ohne Hämoglobin auskommen können, war unbegreiflich. Man behalft sich mit der Vorstellung, dass die farblose Blutflüssigkeit auf rein physikalischem Weg den Sauerstoff lösen kann, allerdings nur einen winzigen Prozentsatz. Vielleicht reicht die kleine Menge Sauerstoff unter den besonderen Umständen, in denen diese Fische leben, aus? Diese Theorie hatte aber nur so lange Bestand, als man annimmt, dass die Eisfische lediglich deshalb so wenig Sauerstoff verbrauchen, weil sie sehr träge sind.

Heute weiß man, dass Eisfische zwei bis vier Mal soviel Blut besitzen wie vergleichbare Knochenfische besitzen, ein größeres Herz mit höherer Pumpleistung, eine niedrigere Viskosität des Blutes und Blutgefäße mit großem Durchmesser. Darüberhinaus sind die Fische zur Hautatmung fähig.