Elegante Tiere fast exotisch

Großhornrind

Verglichen mit dem heimischen schwarzweißen Niederungsvieh wirken die Graurinder elegant und fast exotisch.

Großhornrind

Sie waren in Ungarn schon fast ausgestorben und rassisch stark vermischt, als man nach dem Zweiten Weltkrieg begann, ihre Reste auf der Pußta Hortobágy, wo die Graurinder immer schon zu Hause waren, zu sammeln und weiterzuzüchten. In Privatzuchten findet man sie kaum noch, denn sie sind unwirtschaftlich geworden, da sie weder Milch noch einen nennenswerten Fleischertrag liefern. Ihre eigentliche Bedeutung hatten sie als Zugtiere.

Das entspricht den historischen Gegebenheiten. Denn lange bevor die Menschheit daran dachte, das Rind als Lieferant von Milch und Fleisch zu nutzen, diente es dem Menschen als Zugtier. Zuerst spannte man es vor Kultwagen und heilige Pflüge, denn schon sehr früh wurde es wegen seines sichelförmig gebogenen Hornes mit Mond- und Fruchtbarkeitskulten in Verbindung gebracht. Man weiß ziemlich sicher, daß der erste Zähmungsherd in den Steppen Zentralasiens lag. Von dort kam sehr viel später das nomadische Viehzüchtervolk der Magyaren (also der heutigen Ungarn) nach Europa. Sie brachten die Rinder mit. Auf altägyptischen Bildern des 4. und 3. Jahrtausends v. Chr. sieht man Ochsen im Joch, die den ungarischen Graurindern wie aus dem Gesicht geschnitten sind.

Die Tradition der Rinderzucht wird von den Ungarn bis zum heutigen Tag liebevoll gepflegt. Das Staatsgut Hortobágy bewirtschaftet 200 000 Katastraljoch. Das sind 100 000 Hektar. Das hört sich gewaltig an, aber es handelt sich vor allem um Weideland für Schafe, Rinder und Pferde. Der karge Boden und die extremen klimatischen Verhältnisse lassen anderes kaum zu.

Großhornrind

Die Pußta Hortobágy östlich der Theiß war immer altes Weideland, seit sich das Gebiet nach dem 16. Jahrhundert von den Tatarenstürmen erholt hatte. Vieh war das wichtigste Exportgut. Bis an die Schwelle des letzten Jahrhunderts lief das Schlachtvieh auf eigenen Füßen in den Westen - bis Wien, bis Nürnberg, bis Venedig. Kernige Burschen, die "Haiducken" aus dem Hajduság, dem Komitat, zu dem die Hortobágyer Heide gehörte, begleiteten die Riesenherden zu Fuß, in der Hand den knotigen Knüppel aus Akazienholz, neben sich den weißen, zotteligen Kommondorhund, der mit dem ungebärdigsten Tier fertig wurde, und im Gefolge den Esel, der die Reiseutensilien schleppte.