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Mancher mag sich wundern über dieses Bild der Griechen, die man sich eigentlich so viel edler vorstellt. Leider stimmt das Bild. Die Vergangenheit wirft lange Schatten auf die Schönheit der griechischen Klassik - wie die Sagen von Ödipus und Agamemnon zur Genüge beweisen.

Nachtigall
Unsere so schön singende Nachtigall (Luscinia megarhynchos) ist ein unscheinbarer Vogel.
Nachtigall

Ganz von Trauer ist auch die Klage der Penelope beherrscht, der Frau des Odysseus, die keinen Schlaf finden kann, da "ihre zerrissene Seele von tausend nagenden Sorgen durchwühlt wird, wie die Nachtigall Philomela, die Itys beklagt". (Odyssee, 11. Gesang)

Doch haben sich die Alten wissenschaftlich ebenfalls sehr eingehend mit der Nachtigall beschäftigt. Schon Aristoteles ist die Lernfähigkeit dieser Singvögel aufgefallen. Im vierten Buch seiner "Geschichte der Tiere" bemerkt er, dass junge Vögel, die man fern von ihren Eltern aufzieht und denen man den Gesang anderer Vögel zu hören gibt, diesen Gesang lernen. Der römische Naturforscher Plinius stellt fest, dass jede Nachtigall ihre eigene, unverwechselbare Stimme hat (Naturgeschichte Buch X). Das sind schon sehr aktuell anmutende Beiträge zur Verhaltensforschung. Was Plinius über die Gesangskunst der Nachtigall sagt, geben wir hier wörtlich wieder:

"Wie stark ist doch die Stimme in dem kleinen Körper, wie anhaltend kräftig der Atem! Sie allein besitzt vollkommenes musikalisches Empfinden. In stetigem Wechsel erklingt ihr Ton, bald hält sie ihn ohne Unterbrechung aus, bald moduliert sie, bald unterbricht sie die Töne durch kurze Pausen, bald verbindet sie sie durch Triller, bald wird der Ton durch Einziehen der Luft schmelzend gedehnt, bald plötzlich gedämpft, manchmal ist es, als flüstere er mit sich selbst, dann erklingt er wieder voll, tief, hoch, schlagend, gezogen, wie es ihr gefällt, schmetternd, stark, mäßig, leise. Kurz, alles leistet die kleine Kehle, was Menschenkunst mit höchster Anstrengung auf Flöten hervorzubringen weiß."