Zoologisches Stichwort

Igel

Igel

Die Familie der Igel (Erinaceidae) wird in zwei Unterfamilien unterteilt: die Haar- oder Rattenigel (Echinosoricinae) und die Echten Igel (Erinaceinae). Nur die letzteren tragen das typische Stachelkleid, während alle vier Arten der anderen Unterfamilie dicht behaart sind und keine Stacheln besitzen. Die Haar- oder Rattenigel sind Waldbewohner Südostasiens. Die Echten Igel kommen in Europa, Asien und Afrika vor. Von ihnen kennt man 15 bis 16 Arten, je nachdem, ob man den Weißbrustigel (Erinaceus roumanicus) als eigene Art oder als Unterart des Europäischen Igels (Erinaceus europaeus) betrachtet. Dieser, auch Braunbrustigel genannt, ist in Europa weit verbreitet. Neben der bereits erwähnten östlichen Form lebt im westlichen Mittelmeergebiet sowie auf den Kanarischen Inseln der Wanderigel (Aethechinus algirus), der hochbeiniger, großohriger sowie heller ist und dessen Kopfstacheln mehr oder weniger deutlich gescheitelt sind.

Am verbreitetsten ist der Braunbrustigel, der allgemein "Igel" genannt wird. Eine Unterscheidung zwischen "Hunds-" und "Schweinsigel", die oft gemacht wird, gibt es in Wirklichkeit nicht. Scheinbare Unterschiede bestehen lediglich darin, daß das "Gesicht" eines Igels - je nach der Gemütsstimmung - unterschiedlich aussehen kann, so daß es einmal gedrungener, ein anderesmal schlanker wirkt. Igel können nämlich "die Nase rümpfen" und in Verteidigungsstimmung die Kopfstacheln sträuben.

Der Igel bewohnt mit Vorliebe buschreiches Gelände, einen stark gegliederten Lebensraum. Deshalb findet man ihn auch hauptsächlich in Feldgehölzen, Schrebergärten und an Waldrändern. Als dämmerungs-  und nachtaktives Tier zeigt er sich am Tage wenig, sondern hält sich während dieser Zeit in Laubhaufen und dichtem Gestrüpp auf. In der Nacht wandern Igel viel umher und werden beim überqueren von Landstraßen leider häufig überfahren. Etwa im April, wenn die Igel ihre Winterschlafplätze verlassen haben, beginnt die Fortpflanzungszeit, die sich bis in den Hochsommer hinein erstreckt.

Igel werden mit neun bis elf Monaten geschlechtsreif. Die Tragzeit des Weibchens beträgt fünf bis sechs Wochen. Vielfach wirft es zweimal im Jahr, so daß die jungen des zweiten Wurfes etwa im September zur Welt kommen.

Igel gehören zu den Insektenfressern (Insectivora). Ein Großteil ihrer Nahrung besteht aus Insekten aller Art, wobei auch giftige nicht verschont werden. Daneben fressen sie Würmer, Schnecken, kleine Wirbeltiere und süßes Obst. In Gefangenschaft trinken Igel vielfach gern Milch.

Wenn der Igel auch giftige Insekten frißt, so ist er doch keineswegs "giftfest". Er frißt zwar Kreuzottern, bemüht sich aber stets, diese so zu erwischen, daß sie ihn nicht beißen können. Ein Kreuzotterbiß hat auch für Igel meist böse Folgen.

Im Herbst setzen Igel viel Fett an, um dann an einem frostgeschützten Ort Winterschlaf zu halten. Dieser kann kurzfristig unterbrochen werden. Normalerweise wird der Winterschlafplatz aber erst im Frühjahr verlassen.

Sehr spät geborene Igeljunge können im Herbst meist nicht mehr genügend Reservefett speichern, um die ungastliche Winterzeit zu verschlafen. Sie sterben dann an Entkräftung. Solche halbwüchsigen Igel, die man im Spätherbst findet, können gerettet werden, wenn man sie füttert und im Frühling wieder freiläßt.