Das beliebteste Spiel ist das Rutschen

Als offenbar reine Pflanzenfresser (Fleisch wird nur in Gefangenschaft gegessen) futtern sich die Gorillas regelrecht durch den Urwald hindurch.

Mehrere Beobachter haben regelmäßig alle Blätter, Pflanzentriebe, Knospen, das Pflanzenmark und die Rinden versucht, an denen sie Gorillas hatten herumkauen sehen: Fast alle diese Pflanzen schmeckten etwas bitter. Früchte mag der Gorilla offenbar weniger als der Schimpanse. Vielleicht hängt das aber auch damit zusammen, daß Baumfrüchte oft hoch oben in den Zweigen hängen, in einer Baumregion also, in die sich ein ausgewachsener Gorilla gar nicht hineintrauen kann, weil ihn diese Zweige nicht tragen würden. Meistens genügt einer Gorilla-Familie ein Marsch von wenigen Kilometern täglich, um den Nahrungsbedarf zu decken. Natürlich ziehen die Tiere dabei immer dem Futter nach. Im Kahuzi-Park wandern sie zum Beispiel im Oktober und November wie Weidekühe in die Bambuswälder, die am Beginn der Regenzeit voll mit Bambus-Schößlingen sind.

Gorilla

Junge Gorillas im Urwald zu beobachten ist eine vergnügliche Sache. Die Amerikanerin Dian Fossey, die in Uganda den Gorillas nachzog, erzählte darüber: "Das beliebteste Spiel der jungen Tiere ist das Rutschen vom Körper der Mutter runter, auf erdigen Abhängen oder von glatten Baumstämmen." Junge Gorillas scheinen unter großer Duldung der Erwachsenen überhaupt fast nur herumzualbern. Als einfühlsame Beobachterin ist Dian Fossey von "ihrer" Gorilla-Familie so sehr geduldet worden, daß sie insgesamt 2000 Stunden lang Aufzeichnungen über das Gorilla-Leben machen konnte.

In den 2000 Stunden stellte sie nur fünf Minuten lang Verhaltensweisen fest, die man aggressiv nennen könnte. Und davon war das meiste noch Bluff oder Abwehr in Schrecksekunden gewesen. Wenn das kein Zeichen von Friedfertigkeit ist!

Nicht einmal ernsthafte Rangkämpfe der am Rücken silberhaarigen großen Männchen sind bisher beim Gorilla beobachtet worden. Diese Riesen toben zwar, in einem Wut-Tanz aufgerichtet, herum; sie schlagen sich schreiend auf die Brust und auf den Boden doch auch das ist vor allem Bluff und Angeberei, ein Imponiergehabe, das nur in ganz besonders aufgeregten Augenblicken in die Verfolgung eines davon eingeschüchterten Gegners übergeht. Zumeist erledigen sich alle sozialen Auseinandersetzungen nach der Kraftprotzerei von selbst.

Solche allgemeinen Aussagen über den Gorilla haben allerdings auch nur allgemeinen Wert. Denn Gorillas sind untereinander so verschieden wie Menschen. Und das nicht nur in den Körpermerkmalen. Alle Freilandbeobachter merken sich zum Beispiel zunächst die Nasenform eines Gorillas; sie ist ein noch persönlicheres Kennzeichen als die Bewegungen und die übrige Körpergestalt. Die Unterschiede in den Gehirnleistungen sind aber ebenso groß. So gibt es "den" Gorilla sowenig wie "den" Menschen.