Der Flug der Eulen

Eulen beim Flug zu beobachten, ist ein faszinierendes Erlebnis. Man hört nichts. Kein Flügelschlagen, kein Flattern.

Das liegt an den Schwungfedern, die eine Art "Samtpelz" tragen und auf diese Weise die Turbulenz an den Flügelenden (die Hauptquelle von Fluggeräuschen) auf ein Mindestmaß reduzieren.

Das hat zwei Vorteile. Erstens wird die Beute nicht gewarnt, daß sich ein Jäger im Sturzflug nähert. Zweitens kann die Eule ihr Gehör zur Ortung der Beute auch während des Fluges einsetzen, ohne sich selbst durch Flattergeräusche zu stören. Das Gehör vieler Eulenarten ist sehr gut entwickelt. Waldkäuze besitzen dreimal so viel Hör-Nervenzellen wie etwa eine Krähe. Sie können Töne von etwa sechs Kilohertz (solch eine Frequenz entspricht dem Klingeln eines Triangels oder den hohen Tönen eines Klaviers) zehnmal besser hören als der Mensch. In diesem Frequenzbereich liegen die Töne, die von den Beutetieren ausgehen: Das Piepsen und Quieken kleiner Nagetiere ebenso wie die Laufgeräusche auf dürren Blättern. Die obere Hörgrenze des Eulenohrs deckt sich aber weitgehend mit der des Menschen.

 

Kauz

Steinkäuze sind sprichwörtlich

Man sagt "Eulen nach Athen tragen". Das bedeutet: etwas überflüssiges tun.

Eulen gab es im Athen der alten Griechen mehr als genug. Kein Wunder: Die Eule war (neben der Schlange) das heilige Tier der Göttin Pallas Athene. Da diese Göttin die Beschützerin der Wissenschaft und der Künste war, galt die Eule als der Vogel der Weisheit.

Ob es sich in Athen nun unbedingt und immer um Steinkäuze gehandelt hat, ist so sicher nicht, aber durchaus möglich. Denn im Mittelmeerraum ist der Steinkauz - der nicht so lichtscheu ist wie andere Eulen und sich auch bei uns oft tagsüber recht rege zeigt - praktisch ein Tagvogel. Man hört ihn dort von früh bis abends. Brehm schreibt: "Schon in Italien liebt und pflegt ihn jedermann; in Griechenland gilt er noch heute als hochbegabter Vogel. Nicht minder geschätzt wird er in Palästina, wo man ihn als Glücksvogel betrachtet, niemals verfolgt, vielmehr hegt und pflegt. Kurz, man nimmt an, daß er auch der Vogel der Göttin war, und hat darum den Steinkauz wissenschaftlich der Pallas Athene zugeordnet. Er heißt "Athene noctua".

Übrigens hat die Eule ihren Ruf, ein besonders weises Tier zu sein, in Märchen und Fabeln bis heute behalten, ohne daß die Zoologen diesen Anspruch stützen könnten. Eulen (den Steinkauz eingeschlossen) sind weder "intelligenter" noch "abgeklärter" als Amsel oder Distelfink. Allerdings sehen sie - mit menschlichen Augen betrachtet - ungeheuer klug und würdig aus, das muß man zugeben.